• 15.10.2026
  • Fachbericht

Zulieferindustrie: Geschäftslage verbessert sich, Erwartungen gehen zurück

Die deutsche Zulieferindustrie bewertet ihre aktuelle Geschäftslage im September 2026 erneut besser als im Vormonat. Das zeigt die jüngste Erhebung der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (ArGeZ), der auch der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie angehört. Während sich der Indikator für die Geschäftslage erstmals seit mehr als drei Jahren wieder der Nulllinie nähert, sind die Erwartungen für die kommenden sechs Monate gesunken.

Geschrieben von Editors EUROGUSS 365

Komplexes Gussteil auf der EUROGUSS 2026
Geschäftsklima der deutschen Zulieferindustrie 2010 bis September 2026

Die saisonbereinigte Bewertung der aktuellen Geschäftslage stieg im September 2026 um 1,1 Punkte auf minus 0,9. Damit erreicht der Indikator den höchsten Stand seit Juli 2023. Die Nulllinie, die einen ausgeglichenen Saldo positiver und negativer Lageeinschätzungen kennzeichnet, rückt damit näher.

Bei den Geschäftserwartungen zeigt sich dagegen eine andere Entwicklung. Der entsprechende Indikator sank gegenüber August um 1,7 Punkte auf 1,7. Er liegt damit zwar den zweiten Monat in Folge im positiven Bereich, allerdings hat sich der positive Erwartungssaldo verringert. Die aktuelle Geschäftslage und die Aussichten für die kommenden sechs Monate entwickeln sich somit unterschiedlich.

 

ifo Geschäftsklimaindex steigt ebenfalls

Die Ergebnisse der ArGeZ stehen im Zusammenhang mit einer Verbesserung des allgemeinen Geschäftsklimas in Deutschland. Nach Angaben des ifo Instituts stieg der Geschäftsklimaindex im September 2026 auf 89,9 Punkte, nach 88,8 Punkten im August. Sowohl die Bewertung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen der befragten Unternehmen verbesserten sich.

Im Verarbeitenden Gewerbe fiel die Entwicklung unterschiedlich aus. Hier beruhte der Anstieg des Geschäftsklimaindex vor allem auf besseren Erwartungen. Die aktuelle Geschäftslage bewerteten die Unternehmen dagegen etwas schlechter als im Vormonat. Zudem äußerten sie sich weiterhin unzufrieden über ihre Auftragsbestände.

Für die Automobilindustrie, einen wichtigen Absatzmarkt der Druckgussbranche, beschreibt das ifo Institut die Situation weiterhin als schwierig. In seiner September-Erhebung verweist es darauf, dass sich die Automobilbranche nach wie vor auf schwierigem Terrain bewegt.

 

Wirtschaftsforschungsinstitute heben Wachstumsprognose an

Parallel zu den Geschäftsklimadaten haben die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Konjunkturprognose für 2026 angehoben. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose vom September rechnen sie mit einem Wachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent. Im Frühjahr waren sie noch von 0,6 Prozent ausgegangen.

Zur Begründung verweisen die Institute insbesondere auf die Entwicklung im ersten Halbjahr 2026. Exporte und Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe entwickelten sich stärker als zuvor erwartet. Die Unternehmensinvestitionen und der private Konsum blieben dagegen schwach.

Ihre Gemeinschaftsdiagnose trägt den Titel „Aufschwung mit Strukturproblemen – Finanzpolitik auf Abwegen“. Darin weisen die Institute auf die weiterhin bestehenden Belastungen der deutschen Wirtschaft hin. Zu diesen zählen hohe Energiepreise und strukturelle Probleme des Wirtschaftsstandorts. Auch das demografisch bedingt sinkende Erwerbspersonenpotenzial begrenzt nach ihrer Einschätzung die Wachstumsmöglichkeiten.

 

ArGeZ sieht Erholung noch nicht gefestigt

Auch die ArGeZ verweist in ihrer aktuellen Auswertung auf die strukturellen Belastungen der Zulieferindustrie. Sie bewertet die verbesserte Geschäftslage als Hinweis darauf, dass die konjunkturelle Erholung zunehmend in den Unternehmen ankommt. Gleichzeitig sieht sie im Rückgang der Geschäftserwartungen ein Zeichen dafür, dass die Entwicklung noch nicht gefestigt ist.

Entscheidend wird nach Einschätzung der ArGeZ sein, ob sich die Auftragslage in den kommenden Monaten dauerhaft verbessert und inwieweit die strukturellen Belastungen am Standort Deutschland die weitere wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen.

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EUROGUSS 365
Editors EUROGUSS 365
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