Für die verarbeitende Industrie bedeutet das, dass Aluminium auch in den kommenden Jahren ein vergleichsweise volatiler Beschaffungsmarkt bleiben dürfte. Neben dem LME-Kurs gewinnen regionale Prämien, Transportkosten und die Verfügbarkeit von Schrott zunehmend an Bedeutung für die tatsächlichen Beschaffungskosten.
Mit welchen Risiken müssen europäische Druckgießereien bei der Aluminiumbeschaffung in den kommenden Jahren rechnen?
Pierina Miladinovic: Die Druckgießereien müssen sich auf eine zunehmende Unsicherheit in den Lieferketten einstellen. Die europäische Primäraluminiumproduktion ist rückläufig, während die Abhängigkeit von Importen wächst. Gleichzeitig erhöhen geopolitische Spannungen, mögliche Handelsrestriktionen und regulatorische Eingriffe das Risiko von Versorgungsengpässen. Hinzu kommt der steigende Wettbewerb um hochwertige Recyclingmaterialien, die für viele Unternehmen künftig eine zentrale Rohstoffquelle darstellen werden.
Die Herausforderung besteht daher nicht nur darin, ausreichend Aluminium zu beschaffen. Entscheidend wird auch zukünftig sein, die geforderte Qualität und Nachhaltigkeit sicherzustellen.
Wie verändert die steigende Nachfrage nach Sekundäraluminium den Beschaffungsmarkt?
Sven-Steffen Schulz: Da Recyclingaluminium deutlich weniger Energie benötigt und einen wesentlich geringeren CO₂-Fußabdruck aufweist als Primäraluminium, steigt sein Stellenwert in vielen Branchen kontinuierlich. Dies führt jedoch gleichzeitig zu einem intensiveren Wettbewerb um hochwertige Schrott- und Recyclingqualitäten. Für Gießereien wird der Zugang zu qualitätsgesicherten Sekundärmaterialien deshalb zunehmend zu einem strategischen Ziel. Zusammenfasend lässt sich sagen, dass künftig nicht nur der Metallpreis entscheidend sein wird, sondern auch die Verfügbarkeit geeigneter Recyclingströme.



