Katrin Grebe unterstreicht die Bedeutung der frühzeitigen Zusammenarbeit: „Gerade im Frontloading sehen wir als Werkzeugbauer, dass Idee, Gießverfahren und vor allem das Werkzeug Hand in Hand gehen müssen – sonst drohen am Ende teure Kompromisslösungen.“
Unterschiede zwischen Europa und China
Was vielerorts in Asien und auch in den USA praktiziert wird, wird hierzulande oft durch starre Prozesse und Silodenken verhindert. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen traditionellen europäischen OEMs mit stark formalisierten Abläufen und neuen Marktteilnehmern, etwa chinesischen Herstellern. Entscheidungen werden dort schneller getroffen, technische Rückfragen landen direkt bei Experten, und Partnerschaften werden nicht allein über den Preis definiert.
Staffan Zetterström hält die Strategie mancher europäischen OEMs nicht für besonders weitblickend: Wer heute aus kurzfristigen Preisgründen auf erfahrene Zulieferer aus Europa verzichtet, verschwendet nicht nur eingebrachtes Know-how, sondern zerstört auch eigene Handlungsoptionen in der Zukunft. Die vermeintliche Ersparnis beim Einkauf relativiert sich spätestens dann, wenn Qualität, Logistik oder Weiterentwicklung stocken oder Anbieter vom Markt verschwinden. Wirklich strategisch sei das nicht – sondern gefährlich kurz gedacht.
Input bleibt ungenutzt
Zetterström weist zudem auf ein strukturelles Problem hin: „In Europa gibt es keinen einheitlichen Ansatz, um die tatsächlichen Kosten eines Bauteils transparent zu kalkulieren – von Werkzeug über Produktion bis Logistik.“
Viele Zulieferer sind längst bereit, Verantwortung über das einzelne Bauteil hinaus zu übernehmen. Sie bieten Gesamtlösungen an, denken in Prozessketten, liefern Input für Nachhaltigkeit, Effizienz und CO₂-Reduktion. All das bleibt aber oft ungenutzt.
Fabian Niklas betont, dass viele Gießereien bereit sind, ihr Wissen frühzeitig einzubringen – aber nicht ohne klare Perspektive: „Wenn man schon in der ersten Phase eines Produkts viel Arbeit investiert, um das beste Ergebnis zu erzielen, muss auch klar sein, dass man später den Zuschlag für die Serienfertigung bekommt.“
Alle Stufen der Wertschöpfung zusammenbringen
Netzwerke wie der EUROGUSS Executive Circle, in dem Grebe mitarbeitet, versuchen genau hier anzusetzen: Akteure aus allen Stufen der Wertschöpfung zusammenzubringen, gemeinsame Projekte anzustoßen und Strukturen für vertrauensvolle Zusammenarbeit zu schaffen. Katrin Grebe bringt es auf den Punkt: Es braucht keine weiteren Studien, keine langwierigen Analysen. Sondern den Mut, zu starten. Jetzt.