Kein Flug, kein Zug – nur Muskelkraft, Willenskraft und der feste Entschluss, nicht nur über Wandel zu reden, sondern ihn rechtzeitig zu erreichen. Das hatte Jung, Mitglied der Geschäftsleitung beim Formenbauer Heck & Becker, motiviert. Ziel der Tour war der Ort, an dem sich die europäische Druckgussbranche traf, um gemeinsam an einer neuen Richtung zu arbeiten. „Raus aus der Komfortzone, rein in den echten Dialog“, wie es Andre Weißbenner, CEO bei Heck & Becker, formulierte, der derweil die Konferenzbekleidung seines Kollegen nach Mailand brachte, die in der Satteltasche des Fahrrads sicher sehr gelitten hätte. Benni Jungs Ankunft war mehr als ein sportlicher Kraftakt – sie wurde zum Sinnbild für den Spirit dieser Veranstaltung.
„Weniger Vergangenheit, mehr Zukunft“
Der EUROGUSS Executive Circle war von Anfang an nicht als Debattierclub gedacht. In diesem Jahr wurde klar: Wer über Druckguss spricht, muss auch gestalten wollen. Über 70 Entscheiderinnen und Entscheider aus ganz Europa – Gießer, Maschinenbauer, Formenbauer und OEMs – kamen zusammen, nicht um zu klagen, sondern um konkret zu werden. „Weniger Vergangenheit, mehr Zukunft“ lautete das Motto. Und selten passte es so gut wie in diesem Sommer in der Lombardei.
Die Themen? Brisant. Der Ton? Offen und wertschätzend. Der Tenor? Hoffnung ist keine Strategie. Stattdessen: Tempo, Lösungsorientierung, Umsetzung.
In Keynotes und Workshops ging es um Künstliche Intelligenz, neue Geschäftsmodelle, vorausschauende Instandhaltung, Servitization und Nachhaltigkeit – Schlagworte, die andernorts oft in Präsentationen verhallen. In Mailand hingegen wurden sie in offener Diskussion mit konkreten Ansätzen verknüpft. Besonders wichtig war dabei der Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette: OEMs, Gießereien und Ausrüster diskutierten gemeinsam über die aktuellen Herausforderungen der europäischen Marktlage – direkt und auf Augenhöhe.
Neue Wege, neue Allianzen
„Der EUROGUSS Executive Circle hat sich erneut als zentrale Plattform für strategische Weichenstellungen bewährt. Wir schaffen hier keine weitere lose Gesprächsrunde oder Vortragsveranstaltung, sondern eine Community, die sich mit konkreten Projekten, Ideen und Kooperationen aktiv für die Zukunft der europäischen Druckgussindustrie einsetzt“, erklärt Christopher Boss, Executive Director der EUROGUSS. Dass das ankommt, zeigen auch die vielen positiven Rückmeldungen, die das EUROGUSS-Team bereits während der Veranstaltung und danach erreicht haben.
Statt um Worst-Case-Szenarien ging es um neue Wege. Wie lässt sich durch Innovation die Abhängigkeit von volatilen Märkten verringern? Welchen Vorsprung kann die Branche mit AI erreichen? Welche Allianzen braucht es, um als europäische Industrie wieder selbstbewusster aufzutreten? Fragen, die in der Branche schon lange schwelen – in Mailand wurden sie offen diskutiert.
Dazu passten auch die praxisnahen Workshops – etwa von Kai Dippe zu konkreten Anwendung von KI – nicht nur mit einer technologischen Sicht, sondern mit dem Mitarbeiter im Blick. Oder von Katharina Krimmer zur Sichtbarkeit durch B2B-Marketing, das nicht mehr als Beiwerk, sondern als strategischer Hebel verstanden wird. Das verändert Kommunikation und Selbstverständnis eines Unternehmens und einer Branche.
„European Diecasting Network“
Ein konkretes Ergebnis des Executive Circle: das „European Diecasting Network“ (EDCN). Über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschlossen, dieses Netzwerk nicht nur zu gründen, sondern direkt mit Inhalten zu füllen. Für Siegfried Heinrich, Geschäftsführer von Schaufler Tooling, war das „mein persönliches Highlight“. „Die sehr offene und ehrliche Diskussion zwischen OEM, Gießern und Equipment-Lieferanten zur herausfordernden Marktsituation in Europa sowie erste Ansätze, wie wir als Druckgussnetzwerk diese gemeinsam erfolgreich gestalten können, war für mich das wichtigste Thema“, so Heinrich.
„Für mich war es der klare Fokus auf Zukunftsfähigkeit – technologisch, organisatorisch und kulturell“, sagt Weißbenner. Und weiter: „Es ging nicht darum, bestehende Strukturen zu beschreiben, sondern gemeinsam neue Wege zu denken.“ Der Anfang ist gemacht – und das mit einem Anspruch, der über Networking hinausgeht: mehr Lobbyarbeit, mehr Austausch, mehr Europa.








