Mehr Kapazität in Gelsenkirchen und Essen
Dafür hat Trimet im Recyclingwerk Gelsenkirchen neue Schmelzanlagen installiert und erhöht die Produktionskapazität auf bis zu 70.000 Tonnen Recyclingaluminium pro Jahr. Ab August 2026 sollen die Öfen mit einem wasserstoffreichen Energiegas betrieben werden, das nach Unternehmensangaben geringere CO₂-Emissionen verursacht als Erdgas. Solarzellen auf den Hallendächern liefern zusätzlich Strom.
Auch der Standort Essen wurde erweitert. Zusätzliche Lagerflächen erhöhen die Kapazität um rund 16.000 Tonnen und ermöglichen es, Aluminiumschrotte konsequenter nach Legierungen zu trennen. So sollen Vermischungen vermieden und mehr Schrotte für hochwertige Anwendungen nutzbar bleiben.
Recyclinglegierung für Groß- und Strukturbauteile
Besondere Bedeutung für den Druckguss hat die angekündigte Recyclingvariante von trimal-38. Die Druckgusslegierung AlSi8ZnMn wurde nach Angaben von Trimet für großflächige Strukturbauteile entwickelt und eignet sich unter anderem für Batteriegehäuse sowie weitere crashrelevante Anwendungen. Sie erreicht ihre mechanischen Eigenschaften im Gusszustand und benötigt keine nachträgliche Wärmebehandlung. Das Unternehmen hebt insbesondere die hohe Duktilität und Umformbarkeit sowie die gute Gieß- und Entformbarkeit hervor.
Für die Recyclingvariante will Trimet die Legierungszusammensetzung so anpassen, dass sich der Anteil an Sekundäraluminium deutlich erhöhen lässt, ohne die mechanischen Eigenschaften zu beeinträchtigen. Frühere Untersuchungen des Unternehmens haben gezeigt, dass trimal-38 einen höheren Anteil an Recyclingmaterial mit Eisen- und Kupferbestandteilen aufnehmen kann. Bereits verfügbar ist trimal-04, eine Recyclinglegierung für duktile Druckgussbauteile, die sich nach Unternehmensangaben als Alternative zur Primärlegierung trimal-05 etabliert hat.
Geschlossene Kreisläufe brauchen saubere Stoffströme
Parallel zur Legierungsentwicklung baut Trimet Rückführungssysteme mit Kunden aus. Produktionsschrotte sollen sortenrein erfasst und erneut in passenden Legierungen eingesetzt werden. Je höher die Anforderungen an Reinheit, Festigkeit, Duktilität oder Leitfähigkeit sind, desto wichtiger ist die Trennung. Als Beispiel nennt das Unternehmen Aluminiumdraht, bei dem geringe Verunreinigungen die Weiterverarbeitung beeinflussen können.
Für Druckgießereien heißt das: Schrotte müssen in der Produktion getrennt, gekennzeichnet und in gleichbleibender Qualität zurückgeführt werden. Legierungshersteller müssen zugleich wissen, welche Begleitelemente toleriert oder über die Rezeptur ausgeglichen werden können.
Neuer Sortierstandort in Hamm
Ein weiterer Baustein ist ein neuer Standort in Hamm, der Ende 2026 in Betrieb gehen soll. Dort will Trimet Aluminiumschrotte sortieren, aufbereiten und für die Weiterverarbeitung vorbereiten. Laserbasierte Analyseverfahren sollen den metallurgischen Fingerabdruck der Schrotte bestimmen und eine präzisere Zuordnung zu geeigneten Legierungen ermöglichen.
Mit den Investitionen führt Trimet mehrere Stufen der Recyclingkette enger zusammen: Rücknahme, Analyse, Sortierung, Aufbereitung, Schmelzen und Legierungsentwicklung. Für die Druckgussindustrie ist entscheidend, ob daraus reproduzierbare Werkstoffe für anspruchsvolle Bauteile entstehen. Gerade bei Groß- und Strukturbauteilen wird Recycling damit zu einer werkstofftechnischen Aufgabe – und zu einem Faktor für die Versorgungssicherheit.