• 15.07.2026
  • Fachbericht

Mehr Sekundäraluminium für den Druckguss: Trimet baut Recyclingkreisläufe aus

Trimet erweitert seine Recyclingkapazitäten und verbindet den Ausbau seiner Standorte mit neuen Legierungen und einer präziseren Schrottsortierung. Für Druckgießereien ist vor allem die geplante Recyclingvariante einer Legierung für Batteriegehäuse sowie Groß- und Strukturbauteile relevant.

Geschrieben von Editors EUROGUSS 365

Große Mengen Aluminiumschrott lagern in getrennten Betonboxen einer Recyclinghalle.
Der Ausbau heimischer Recyclingkapazitäten reduziert die Abhängigkeit von Importen und stabilisiert die Rohstoffversorgung.

Aluminium lässt sich wiederholt recyceln. Für hochwertige Anwendungen genügt es jedoch nicht, möglichst viel Schrott einzuschmelzen. Entscheidend ist, welche Legierungen und Begleitelemente im Ausgangsmaterial enthalten sind und für welches Eigenschaftsprofil das Metall eingesetzt werden soll. Sortenreine Erfassung, metallurgische Analyse und legierungsgerechte Aufbereitung sind Voraussetzung, wenn Recyclingaluminium Primärmetall ersetzen soll.

 

Recycling wird zur Frage der Versorgungssicherheit

Auch industriepolitisch gewinnt das Thema an Bedeutung. Aluminium zählt nach dem europäischen Critical Raw Materials Act zu den strategischen Rohstoffen. Der Ausbau heimischer Recyclingkapazitäten soll deshalb nicht nur den Einsatz von Primäraluminium verringern, sondern auch die Abhängigkeit von Importen reduzieren und die Rohstoffversorgung stabilisieren.

Hinzu kommt die deutlich günstigere Energiebilanz: Nach Angaben des Umweltbundesamts benötigt die Herstellung von Sekundäraluminium aus Schrotten nur etwa fünf Prozent der Energie, die für die Gewinnung von Primäraluminium erforderlich ist. Wie groß der Vorteil im konkreten Fall ausfällt, hängt unter anderem von der Qualität der Schrotte sowie vom Aufwand für Sortierung, Aufbereitung und Einschmelzen ab.
 

Dr. Andreas Lützerath
Dr. Andreas Lützerath, Mitglied des Vorstands der Trimet Aluminium SE

„Die Industrie ist auf nachhaltig erzeugte Werkstoffe angewiesen, um ihre Klimaziele zu erreichen“, sagt Dr. Andreas Lützerath, Mitglied des Vorstands der Trimet Aluminium SE. „Wir richten unsere Strategie konsequent auf eine wachsende Nachfrage nach Recyclingaluminium aus und investieren in leistungsfähige Strukturen, die in einem bedrängten Markt eine langfristig sichere und qualitativ hochwertige Versorgung gewährleisten.“

Mehr Kapazität in Gelsenkirchen und Essen

Dafür hat Trimet im Recyclingwerk Gelsenkirchen neue Schmelzanlagen installiert und erhöht die Produktionskapazität auf bis zu 70.000 Tonnen Recyclingaluminium pro Jahr. Ab August 2026 sollen die Öfen mit einem wasserstoffreichen Energiegas betrieben werden, das nach Unternehmensangaben geringere CO₂-Emissionen verursacht als Erdgas. Solarzellen auf den Hallendächern liefern zusätzlich Strom.

Auch der Standort Essen wurde erweitert. Zusätzliche Lagerflächen erhöhen die Kapazität um rund 16.000 Tonnen und ermöglichen es, Aluminiumschrotte konsequenter nach Legierungen zu trennen. So sollen Vermischungen vermieden und mehr Schrotte für hochwertige Anwendungen nutzbar bleiben.

 

Recyclinglegierung für Groß- und Strukturbauteile

Besondere Bedeutung für den Druckguss hat die angekündigte Recyclingvariante von trimal-38. Die Druckgusslegierung AlSi8ZnMn wurde nach Angaben von Trimet für großflächige Strukturbauteile entwickelt und eignet sich unter anderem für Batteriegehäuse sowie weitere crashrelevante Anwendungen. Sie erreicht ihre mechanischen Eigenschaften im Gusszustand und benötigt keine nachträgliche Wärmebehandlung. Das Unternehmen hebt insbesondere die hohe Duktilität und Umformbarkeit sowie die gute Gieß- und Entformbarkeit hervor.

Für die Recyclingvariante will Trimet die Legierungszusammensetzung so anpassen, dass sich der Anteil an Sekundäraluminium deutlich erhöhen lässt, ohne die mechanischen Eigenschaften zu beeinträchtigen. Frühere Untersuchungen des Unternehmens haben gezeigt, dass trimal-38 einen höheren Anteil an Recyclingmaterial mit Eisen- und Kupferbestandteilen aufnehmen kann. Bereits verfügbar ist trimal-04, eine Recyclinglegierung für duktile Druckgussbauteile, die sich nach Unternehmensangaben als Alternative zur Primärlegierung trimal-05 etabliert hat.

 

Geschlossene Kreisläufe brauchen saubere Stoffströme

Parallel zur Legierungsentwicklung baut Trimet Rückführungssysteme mit Kunden aus. Produktionsschrotte sollen sortenrein erfasst und erneut in passenden Legierungen eingesetzt werden. Je höher die Anforderungen an Reinheit, Festigkeit, Duktilität oder Leitfähigkeit sind, desto wichtiger ist die Trennung. Als Beispiel nennt das Unternehmen Aluminiumdraht, bei dem geringe Verunreinigungen die Weiterverarbeitung beeinflussen können.

Für Druckgießereien heißt das: Schrotte müssen in der Produktion getrennt, gekennzeichnet und in gleichbleibender Qualität zurückgeführt werden. Legierungshersteller müssen zugleich wissen, welche Begleitelemente toleriert oder über die Rezeptur ausgeglichen werden können.

 

Neuer Sortierstandort in Hamm

Ein weiterer Baustein ist ein neuer Standort in Hamm, der Ende 2026 in Betrieb gehen soll. Dort will Trimet Aluminiumschrotte sortieren, aufbereiten und für die Weiterverarbeitung vorbereiten. Laserbasierte Analyseverfahren sollen den metallurgischen Fingerabdruck der Schrotte bestimmen und eine präzisere Zuordnung zu geeigneten Legierungen ermöglichen.

Mit den Investitionen führt Trimet mehrere Stufen der Recyclingkette enger zusammen: Rücknahme, Analyse, Sortierung, Aufbereitung, Schmelzen und Legierungsentwicklung. Für die Druckgussindustrie ist entscheidend, ob daraus reproduzierbare Werkstoffe für anspruchsvolle Bauteile entstehen. Gerade bei Groß- und Strukturbauteilen wird Recycling damit zu einer werkstofftechnischen Aufgabe – und zu einem Faktor für die Versorgungssicherheit.
 

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EUROGUSS 365
Editors EUROGUSS 365
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