Selina Freygang promoviert inzwischen im Bereich Druckguss. Den EUROGUSS Talent Award 2026 erhielt sie im Januar für ihre Masterarbeit „Innovative Heat Treatment Boosts Performance of Complex Structural Cast Components“, die in Kooperation mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für Allgemeine Werkstoffeigenschaften und der AUDI AG entstanden ist. Darin untersuchte sie, wie sich komplexe Aluminium-Druckgussbauteile gezielter wärmebehandeln lassen.
Was bedeutet dir die Auszeichnung beim EUROGUSS Talent Award?
Selina Freygang: Die Auszeichnung bedeutet mir sehr viel und hat mich besonders gefreut. Für mich ist sie eine große Wertschätzung der Arbeit, die ich in meine Masterarbeit investiert habe. Umso wichtiger ist sie für mich, da ich inzwischen promoviere und dem Fachgebiet Druckguss weiterhin treu geblieben bin. Dadurch erhält der Preis für mich noch einmal eine ganz besondere Bedeutung und ist Motivation zugleich.
Deine ausgezeichnete Arbeit beschäftigt sich mit der Wärmebehandlung komplexer Aluminium Druckgussbauteile. Was war die Grundfrage?
Selina Freygang: Die Forschungsfrage war, ob sich das Leichtbaupotenzial eines Bauteils durch eine angepasste, konturnahe Wärmebehandlung noch weiter ausschöpfen lässt. Ziel war es, die Materialeigenschaften gezielt zu verbessern und dadurch idealerweise eine höhere Festigkeit im Bauteil zu erreichen. Dies würde es ermöglichen, Wandstärken zu reduzieren und das Bauteil insgesamt noch leichter zu gestalten.
Der erste Handlungsschritt war jedoch die Homogenisierung der Eigenschaften. Bei wärmebehandelten Bauteilen entstehen durch unterschiedliche Wandstärken lokal Unterschiede in den Materialeigenschaften über das gesamte Bauteil hinweg. Wir wollten also zuerst prüfen, ob sich gleichmäßigere Eigenschaften erreichen lassen. Im nächsten Schritt haben wir eine gezielte, an das Anforderungsprofil des Bauteils angepasste Optimierung der Materialeigenschaften verfolgt.
Aus welcher Herausforderung heraus ist die Forschungsfrage entstanden – und was unterscheidet deinen Ansatz vom konventionellen Verfahren?
Selina Freygang: Konventionell werden solche Bauteile abgeschreckt, indem ein Luftstrom auf das gesamte Bauteil einwirkt. Die grundlegende Wärmebehandlungssequenz bleibt tatsächlich identisch zum Stand der Technik: Lösungsglühen, Abschrecken und Warmauslagern. Der entscheidende Unterschied liegt in der Gestaltung der Abschreckung.



