• 05.06.2026
  • EUROGUSS Executive Circle
  • Interview

EUROGUSS Executive Circle im Juli 2026: Von regionaler Stärke zu globaler Relevanz

Strategien sind vorhanden, Zielbilder definiert und Transformationsprogramme aufgesetzt. Dennoch tun sich viele Unternehmen schwer, daraus Wettbewerbsvorteile zu entwickeln. Nicoletta Sabov, Vice President bei AlixPartners, erläutert im Gespräch mit Johannes Messer, weshalb Wettbewerbsfähigkeit heute weniger von der Qualität der Strategie als von der Geschwindigkeit ihrer Umsetzung abhängt – und welche Rolle Führungskräfte und Künstliche Intelligenz dabei spielen.

Geschrieben von Editors EUROGUSS 365

Nicoletta Sabov

Transformation steht in nahezu jeder Unternehmensstrategie. Dennoch fällt es vielen Industrieunternehmen schwer, aus Erkenntnissen konkrete Wettbewerbsvorteile zu machen. Warum ist das so? Im Vorfeld des EUROGUSS Executive Circle 2026 spricht Nicoletta Sabov, Vice President bei AlixPartners mit Johannes Messer von Johannes Messer Consulting über Umsetzungsgeschwindigkeit, Entscheidungskultur und die Frage, wie Europa seine industrielle Wettbewerbsfähigkeit sichern kann. Das Gespräch ist Teil der Executive-Interview-Reihe – früher als Coffee Talks bekannt – in dem Messer Expertengespräche mit führenden Köpfen der Druckgussbranche führt.

Sabov wird beim EUROGUSS Executive Circle in Paris einen Executive Dialogue zu diesem Thema leiten. Die Executive Dialogues sind ein zentrales Format der Veranstaltung und bringen Führungskräfte der Druckgussindustrie in kleiner Runde zusammen, um Zukunftsthemen gemeinsam zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen dabei der persönliche Austausch und das Zusammenbringen unterschiedlicher Perspektiven in Workshop-Atmosphäre.

 

Johannes Messer: Frau Sabov, warum fällt es vielen Industrieunternehmen so schwer, Transformation wirklich in Wettbewerbsfähigkeit zu übersetzen?

Nicoletta Sabov: Weil Transformation in den meisten Unternehmen als Strategiethema gedacht wird, nicht als Umsetzungsfrage. Es gibt Konzepte, Roadmaps, Zielbilder. Was fehlt, ist die Übersetzung in Entscheidungen, die am Montagmorgen tatsächlich getroffen werden. Ich erlebe das in fast jedem Mandat: Die Strategie steht. Aber wenn ich Werksleiter, Vertriebsleiter und Engineering-Köpfe frage, was diese Strategie für ihre nächste Entscheidung bedeutet, bekomme ich vier verschiedene Antworten. Oder Schweigen.

Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht durch bessere Strategien. Sie entsteht durch klare Übersetzung in die Sprache derer, die sie ausführen müssen, schnelle Entscheidungen und konsequente Umsetzung. Genau das ist heute oft der Engpass und genau darüber werden wir in Paris diskutieren.

Nicoletta Sabov
Nicoletta Sabov, Vice President bei AlixPartners, wird auf dem EUROGUSS Executive Circle 2026 einen Executive Dialogue zum Thema erfolgreiche Transformation von Industrieunternehmen leiten.

Johannes Messer: Was meinen Sie damit, wenn Sie sagen, dass viele Industrieunternehmen nicht an der Strategie, sondern an zu langsamer Umsetzung scheitern?  

Nicoletta Sabov: Die meisten Unternehmen, mit denen ich arbeite, haben die richtige Diagnose. Sie wissen, wo der Markt hingeht, sie kennen ihre Schwächen, sie haben Zielbilder formuliert. Aber zwischen Erkenntnis und Wirkung liegen oft Jahre. In dieser Zeit verändert sich der Markt weiter, der Wettbewerb zieht vorbei, und aus der ursprünglich richtigen Strategie wird eine, die nicht mehr passt.

Umsetzungsgeschwindigkeit ist deshalb keine operative Frage. Sie ist eine Führungsfrage. Wer Entscheidungen verzögert, weil noch eine weitere Analyse fehlt, wer Initiativen multipliziert, statt zu priorisieren, wer Verantwortung delegiert ohne Mandat – der bremst sein eigenes Unternehmen. Das hat nichts mit der Qualität der Strategie zu tun. Es hat mit der Entscheidungs-Kultur zu tun. 

Johannes Messer: Wird KI die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken – oder die Geschwindigkeitslücke weiter vergrößern?

Nicoletta Sabov: Beides und das ist das eigentliche Spannungsfeld. KI wird die Wettbewerbsfähigkeit derer stärken, die sie als fundamentale Veränderung verstehen, nicht als Trend. Und sie wird den Abstand zu denen vergrößern, die abwarten, ob sich der Hype legt.

Was ich in meinen Mandaten sehe: Unternehmen, die KI strategisch einsetzen, gewinnen an Engineering-Geschwindigkeit, an Prozessqualität und an Kostentransparenz. Aber das gelingt nur, wenn KI nicht als IT-Projekt behandelt wird, sondern als Veränderung der Arbeitsweise. Das ist anstrengend, das verlangt Investitionen in einer Phase, in der gespart werden müsste, und es verlangt Führungskräfte, die den Unterschied zwischen einem Pilotprojekt und einer ernsthaften Transformation kennen.

Europa hat hier eine reale Chance. Es liegt an uns, wie schnell wir sie ergreifen.

Anmeldung für EUROGUSS Executive Circle den 1. – 2. Juli 2026 in Paris möglich

Der nächste EUROGUSS Executive Circle findet am 1. und 2. Juli 2026 im Château de Guermantes nahe Paris statt. Die Veranstaltung richtet sich exklusiv an C-Level-Entscheider der europäischen Druckguss-Wertschöpfungskette. Weitere Informationen zum Programm sowie zur Teilnahme finden Interessierte auf der Website des Executive Circle: https://www.euroguss.de/de-de/events-programm/executive-circle 

Château de Guermantes

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