Die Gießerei wird früher in Projekte eingebunden und agiert als Co-Engineering-Partner. Entscheidungen über Design, Material und Fertigung werden gemeinsam mit dem Kunden getroffen und Gießereien werden aktiv an Entwicklung und Industrialisierung kompletter, automatisierter Lösungen beteiligt sein. Langfristig entsteht ein klares Rollenbild, das Handtmann in seiner Ausrichtung als 360°-Lösungspartner bereits konsequent verfolgt und aktiv gestaltet.
Johannes Messer: Europa steht zwischen Transformation, regulatorischen Anforderungen und wachsendem globalem Wettbewerbsdruck. Was muss aus Ihrer Sicht jetzt konkret passieren – technologisch, organisatorisch und industriepolitisch – damit die europäische Aluminiumgießereiindustrie im globalen Wettbewerb bestehen kann?
Dirk Seckler: Europa wird seine Position im globalen Wettbewerb nur halten können, wenn es konsequent auf Innovation in Produkten, Prozessen und Geschäftsmodellen setzt. Das ist die zentrale Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit der Branche.
Technologisch geht es darum, den Wandel aktiv zu gestalten. Themen wie Gigacasting, Leichtbau, Werkstoffentwicklung und automatisierte Fertigung sind zentrale Hebel. Entscheidend ist dabei die Umsetzung. Innovation muss schnell, stabil und wirtschaftlich in die Serie überführt werden.
Organisatorisch braucht es klare Schwerpunkte. Unternehmen müssen sich stärker auf die Felder konzentrieren, in denen sie technologisch führend sein können. Gleichzeitig ist eine enge Verzahnung von Entwicklung, Produktion und Vertrieb notwendig, um Geschwindigkeit und Komplexität zu beherrschen. Ergänzend gewinnt eine intelligente globale Aufstellung an Bedeutung.
Industriepolitisch braucht Europa verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Hohe Energiepreise, regulatorische Anforderungen und globale Unterschiede in den Kostenstrukturen sind heute ein klarer Nachteil. Wenn die industrielle Basis erhalten bleiben soll, müssen Investitionen in Innovation und Produktion am Standort wieder attraktiver werden.
Die Chance liegt darin, die eigenen Stärken auszuspielen. Qualität, Engineering Kompetenz und Prozesssicherheit sind weiterhin klare Vorteile. Wenn es gelingt, diese mit Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und globaler Präsenz zu verbinden, kann Europa auch künftig eine führende Rolle einnehmen.