Im Jahr 2025 gingen die Umsätze der Zulieferunternehmen um 1,1 Prozent zurück, die Produktion sank um 1,0 Prozent. Damit war 2025 bereits das vierte Jahr in Folge mit rückläufiger Fertigung. Lässt man das Corona-bedingte Erholungsjahr 2021 außen vor, zeigt sich seit 2019 ein strukturell negativer Trend.
2026 startet ohne Aufwärtssignal
Auch zu Beginn des Jahres 2026 sieht die ArGeZ keine Hinweise auf eine nachhaltige Besserung. In den ersten beiden Monaten lag die Beschäftigung um 3,4 Prozent unter Vorjahr. Der leichte positive Trend zum Ende des vergangenen Jahres setzte sich nicht fort. Stattdessen verzeichnete die Produktion der deutschen Zulieferer nach den ersten beiden Monaten erneut ein Minus von 0,4 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt sich ebenfalls im ifo-Geschäftsklima wider: Im März 2026 fiel der saisonbereinigte Wert von minus 14,4 Punkten im Februar auf minus 24,1 Punkte. Die vorsichtige Stabilisierung auf niedrigem Niveau wurde damit abrupt unterbrochen.
Sowohl die Bewertung der Lage als auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate haben sich im Zusammenhang mit den Kriegshandlungen im Iran deutlich eingetrübt. „Nur etwa jeder zehnte Zulieferer bewertet seine aktuelle Lage als gut, während lediglich 16 Prozent der Branche eine Besserung in den kommenden sechs Monaten erwarten. Die Stimmung bleibt damit klar im negativen Bereich“, erklärt ArGeZ-Sprecher Christian Vietmeyer.
Nachfrage schwach, Importe steigen
Ein wesentlicher Grund bleibt die anhaltend schwache Nachfrage aus wichtigen Abnehmerbranchen. Die Auftragseingänge schwanken stark, hinzu kommen externe Belastungsfaktoren. Geopolitische Spannungen und handelspolitische Unsicherheiten wirken dämpfend, während steigende Energiepreise Kosten erhöhen und Investitionen erschweren.
Zusätzlich nimmt der internationale Wettbewerbsdruck zu. Während die deutsche Zulieferindustrie um Stabilität ringt, steigen die Importe in wichtigen Warengruppen deutlich. So lagen die Einfuhren von Waren aus Eisen und Stahl im Jahr 2025 rund zehn Prozent über dem Vorjahresniveau. Bei zahlreichen Automobilkomponenten fiel das Wachstum noch stärker aus.
Branche fordert Kurswechsel in Berlin
Von der Bundesregierung erwartet die Zulieferindustrie „immer noch eine mutige und zukunftsgerichtete Wirtschaftswende“. Zentrale Probleme der Zulieferer seien bislang ungelöst. Im internationalen Vergleich hohe Arbeitskosten verdrängten viele Unternehmen aus dem Markt und begünstigten Produktionsverlagerungen in günstigere Länder. Ansatzpunkte für eine Senkung der Arbeitskosten sieht die ArGeZ unter anderem in längeren Arbeitszeiten sowie einer Reduzierung des Krankenstands. Zudem müssten die Lohnzusatzkosten auf maximal 40 Prozent begrenzt werden. Darüber hinaus seien wirksame Investitionsanreize und Förderinstrumente notwendig, die Produktivitätssteigerungen durch Automatisierung und neue Technologien ermöglichen und damit zugleich den Weg zur Klimaneutralität unterstützen.
Auch bei den Energiepreisen sieht die Branche weiter Handlungsbedarf. Die angekündigte Entlastung für die Industrie sei bislang kaum spürbar. Viele Zulieferbetriebe profitierten nicht von der Reduktion der Stromsteuer. Der sogenannte Industriestrompreis senke die Stromkosten im produzierenden Gewerbe um lediglich ein bis zwei Cent je Kilowattstunde, also durchschnittlich rund zehn Prozent. Auch der Bundeszuschuss zu den Netzentgelten wirke nicht in jedem Netzgebiet entlastend. Insgesamt reiche dies nicht für wettbewerbsfähige Energiepreise aus. Für viele industrielle Wärmeprozesse bleibe Gas mangels verfügbarer Alternativen unverzichtbar. Gleichzeitig werde der Mittelstand durch den nationalen CO₂-Preis belastet, der ausschließlich deutsche Unternehmen treffe. Nach Auffassung der ArGeZ sollte der nationale CO₂-Preis ausgesetzt werden, um gleiche Wettbewerbsbedingungen im Binnenmarkt zu schaffen.



