• 05.05.2026
  • Fachbericht

Zulieferindustrie warnt vor weiterem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit

Die deutsche Zulieferindustrie steckt weiter in einer tiefgreifenden Strukturkrise. Eine konjunkturelle Belebung ist derzeit nicht erkennbar. Schwache Auftragseingänge, steigende Belastungen auf der Kostenseite sowie ein zunehmender internationaler Wettbewerb setzen die Unternehmen weiter unter Druck. So lautet die aktuelle Lagebeschreibung der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie (ArGeZ), zu der auch die deutsche Gießereibranche gehört.

Geschrieben von Editors EUROGUSS 365

Das Innere einer leeren Fabrikhalle

Im Jahr 2025 gingen die Umsätze der Zulieferunternehmen um 1,1 Prozent zurück, die Produktion sank um 1,0 Prozent. Damit war 2025 bereits das vierte Jahr in Folge mit rückläufiger Fertigung. Lässt man das Corona-bedingte Erholungsjahr 2021 außen vor, zeigt sich seit 2019 ein strukturell negativer Trend.

 

2026 startet ohne Aufwärtssignal

Auch zu Beginn des Jahres 2026 sieht die ArGeZ keine Hinweise auf eine nachhaltige Besserung. In den ersten beiden Monaten lag die Beschäftigung um 3,4 Prozent unter Vorjahr. Der leichte positive Trend zum Ende des vergangenen Jahres setzte sich nicht fort. Stattdessen verzeichnete die Produktion der deutschen Zulieferer nach den ersten beiden Monaten erneut ein Minus von 0,4 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt sich ebenfalls im ifo-Geschäftsklima wider: Im März 2026 fiel der saisonbereinigte Wert von minus 14,4 Punkten im Februar auf minus 24,1 Punkte. Die vorsichtige Stabilisierung auf niedrigem Niveau wurde damit abrupt unterbrochen.

Sowohl die Bewertung der Lage als auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate haben sich im Zusammenhang mit den Kriegshandlungen im Iran deutlich eingetrübt. „Nur etwa jeder zehnte Zulieferer bewertet seine aktuelle Lage als gut, während lediglich 16 Prozent der Branche eine Besserung in den kommenden sechs Monaten erwarten. Die Stimmung bleibt damit klar im negativen Bereich“, erklärt ArGeZ-Sprecher Christian Vietmeyer.

 

Nachfrage schwach, Importe steigen

Ein wesentlicher Grund bleibt die anhaltend schwache Nachfrage aus wichtigen Abnehmerbranchen. Die Auftragseingänge schwanken stark, hinzu kommen externe Belastungsfaktoren. Geopolitische Spannungen und handelspolitische Unsicherheiten wirken dämpfend, während steigende Energiepreise Kosten erhöhen und Investitionen erschweren.

Zusätzlich nimmt der internationale Wettbewerbsdruck zu. Während die deutsche Zulieferindustrie um Stabilität ringt, steigen die Importe in wichtigen Warengruppen deutlich. So lagen die Einfuhren von Waren aus Eisen und Stahl im Jahr 2025 rund zehn Prozent über dem Vorjahresniveau. Bei zahlreichen Automobilkomponenten fiel das Wachstum noch stärker aus.

 

Branche fordert Kurswechsel in Berlin

Von der Bundesregierung erwartet die Zulieferindustrie „immer noch eine mutige und zukunftsgerichtete Wirtschaftswende“. Zentrale Probleme der Zulieferer seien bislang ungelöst. Im internationalen Vergleich hohe Arbeitskosten verdrängten viele Unternehmen aus dem Markt und begünstigten Produktionsverlagerungen in günstigere Länder. Ansatzpunkte für eine Senkung der Arbeitskosten sieht die ArGeZ unter anderem in längeren Arbeitszeiten sowie einer Reduzierung des Krankenstands. Zudem müssten die Lohnzusatzkosten auf maximal 40 Prozent begrenzt werden. Darüber hinaus seien wirksame Investitionsanreize und Förderinstrumente notwendig, die Produktivitätssteigerungen durch Automatisierung und neue Technologien ermöglichen und damit zugleich den Weg zur Klimaneutralität unterstützen.

Auch bei den Energiepreisen sieht die Branche weiter Handlungsbedarf. Die angekündigte Entlastung für die Industrie sei bislang kaum spürbar. Viele Zulieferbetriebe profitierten nicht von der Reduktion der Stromsteuer. Der sogenannte Industriestrompreis senke die Stromkosten im produzierenden Gewerbe um lediglich ein bis zwei Cent je Kilowattstunde, also durchschnittlich rund zehn Prozent. Auch der Bundeszuschuss zu den Netzentgelten wirke nicht in jedem Netzgebiet entlastend. Insgesamt reiche dies nicht für wettbewerbsfähige Energiepreise aus. Für viele industrielle Wärmeprozesse bleibe Gas mangels verfügbarer Alternativen unverzichtbar. Gleichzeitig werde der Mittelstand durch den nationalen CO₂-Preis belastet, der ausschließlich deutsche Unternehmen treffe. Nach Auffassung der ArGeZ sollte der nationale CO₂-Preis ausgesetzt werden, um gleiche Wettbewerbsbedingungen im Binnenmarkt zu schaffen.

Theuringer (BDG) warnt vor Ausbluten des Standorts

Nach Einschätzung der Zulieferindustrie haben diese Rahmenbedingungen eine neue Globalisierungswelle ausgelöst. Mittelständische Unternehmen ab einer bestimmten Größe reagierten auf den durch Zölle verstärkten Trend zu lokaler Produktion und wichen zugleich den deutschen Standortnachteilen aus. „Immer wieder treffen Geschäftsleitungen von Zulieferern die Entscheidung, in ausländische Werke anstatt in den deutschen Standort zu investieren. Oder die Kunden ziehen die Aufträge aus Deutschland ab. Wir bluten langsam aus“, sagt Martin Theuringer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Gießerei-Industrie.

Martin Theuringer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Gießerei-Industrie
Martin Theuringer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Gießerei-Industrie

Den Vorschlag der EU-Kommission für ein „Made in Europe“ bewertet die ArGeZ grundsätzlich positiv. Eine stärkere Verankerung europäischer Wertschöpfung könne helfen, die industrielle Basis zu sichern und die Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Krisen zu erhöhen. Dass innerhalb der EU künftig nur noch emissionsfreie Fahrzeuge staatlich gefördert werden sollen, hält die ArGeZ für ein legitimes politisches Ziel. Gleichzeitig müsse Technologieoffenheit über das Jahr 2035 hinaus erhalten bleiben, ein Verbot von Verbrennungsmotoren dürfe nicht erfolgen. Die Veränderungen durch das Automotive Package der Europäischen Kommission wertet die Branche als richtigen Schritt hin zu einem technologischen Wettbewerb um die besten Antriebslösungen.

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EUROGUSS 365
Editors EUROGUSS 365
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