Anfang des 20. Jahrhunderts konnte keiner ahnen, in welche Richtung sich die Beziehung entwickeln sollte. Der Druckguss diente lange Zeit als notwendiger Zwischenschritt, um Lettern aus niedrigschmelzenden Zinn-Blei-Legierungen für den Buchdruck herzustellen. Andere Industrien außerhalb des Druckereiwesens konnten wenig mit dem Verfahren anfangen. Doch schon bald entdeckte die damals noch junge und schnell größer werdende Autoindustrie ihre Vorliebe für schnelle und günstige industrielle Massenproduktion. Die Druckgussindustrie war ein Traumpartner, jedoch vorerst nur für Kleinteile aus Zink-, Blei- und Zinnlegierungen.
Im Jahr 1927 entwickelte der tschechische Ingenieur Josef Polák die entscheidende Technologie, der den Weg für das gemeinsame Glück der beiden Industrien ebnete: Die Kaltkammer-Druckgussmaschine mit vertikaler Einspritzung. Erst diese Erfindung schuf die technischen Voraussetzungen, die nötig waren, um höherschmelzende Legierungen wie Aluminium oder Magnesium im industriellen Druckguss zu verwenden. Die Automobilindustrie war beeindruckt, doch blieb vorerst skeptisch. Sie hatte viele Verfahren zur Auswahl und setzte überwiegend auf möglichst pragmatische Lösungen. Und so gewann die Druckgussindustrie nur nach und nach das Vertrauen der Autohersteller.
Die beiden Ölschocks der 1970er Jahre gaben der Automobilindustrie schließlich Anlass zum Nachdenken. Sie suchte nach Lösungen, wie sie Gewicht einsparen und damit sparsamere Fahrzeuge entwickeln könnte. Die Druckgussindustrie sah ihre Chance und setzte alles dran, noch mehr druckgegossene Autoteile zu ermöglichen und damit die Aufmerksamkeit der Automobilindustrie zu gewinnen.
So wuchsen die Investitionen in bessere Aluminiumlegierungen und größere Maschinen mit höheren Schließkräften. Die Automobilindustrie war begeistert. Der Druckguss war zu einzigartig, als dass sie ihn hätte ignorieren können. Und mit der Zeit setzten immer mehr Automobilunternehmen auch bei der Herstellung von mechanisch hochbelasteten Teilen auf Druckguss aus Aluminiumlegierungen. Die beiden Industrien gingen den Bund fürs Leben ein und es schien so, als könne nichts und niemand sie aufhalten.




