• 19.03.2026
  • Fachbericht

EUROGUSS Talent Award: der Realitätstest vor Fachpublikum

Eine Abschlussarbeit ist das eine. Sie vor einem internationalen Fachpublikum aus Gießereien, Maschinenbau und OEMs zu verteidigen, das andere. Mit dem EUROGUSS Talent Award bekommen Studierende einen besonderen Moment im Übergang vom Studium in die Industrie – Herzrasen inklusive.

Geschrieben von Editors EUROGUSS 365

Finalisten Elena Mingotti, Universität Brescia, beim EUROGUSS Talent Award im Januar 2026.
Finalistin Elena Mingotti, Universität Brescia, beim EUROGUSS Talent Award im Januar 2026

Viele wissenschaftliche Arbeiten im Druckguss beschäftigen sich mit Simulation, Werkstoffverhalten, Prozessparametern oder Nachhaltigkeitsstrategien. Im Labor und am Rechner lassen sich Modelle präzise entwickeln. Auf der Messe jedoch stehen den Finalisten des EUROGUSS Talent Award Praktiker gegenüber, die täglich mit Zykluszeiten, Werkzeugverschleiß und Qualitätskennzahlen arbeiten.

Dieser direkte Austausch verschiebt den Fokus. Plötzlich geht es nicht nur um methodische Sauberkeit oder ein fehlerfreies Layout, sondern um Umsetzbarkeit, Wirtschaftlichkeit und die Präsentationsqualität der Finalisten. 

„Ich komme aus Italien, nicht aus Deutschland, daher hat es mir besonders viel bedeutet, dass deutsche und auch internationale Teilnehmende für mich gestimmt haben“, sagt Elena Mingotti von der Universität Brescia, die beim Talent Award 2026 den dritten Platz belegt hat. „Am Ende der Konferenz kamen viele auf mich zu, um mit mir zu sprechen und Fragen zu meiner Arbeit zu stellen. Das hat mich sehr stolz auf mein Forschungsprojekt gemacht.“

 

Forschung trifft auf Produktionspraxis

Wer beim Talent Award präsentiert, muss seine Arbeit in kurzer Zeit präzise erklären – und das vielleicht auch noch in englischer Sprache, die für manche nicht die Muttersprache ist. Kein wissenschaftliches Kolloquium, sondern ein industrielles Umfeld mit klarer Erwartung: Worum geht es? Welches Problem wird gelöst? Was bedeutet das für die Praxis?

Jury des EUROGUSS Talent Award 2026: (v.r.n.l.) Franjo Wöstmann, Prof. Dr.-Ing. Martin Fehlbier, Dirk Lehmhus und Annalisa Pola.
Jury des EUROGUSS Talent Award 2026 in der ersten Reihe im Publikum: (v.r.n.l.) Franjo Wöstmann, Prof. Dr.-Ing. Martin Fehlbier, Dirk Lehmhus und Annalisa Pola

Diese Übersetzungsleistung – von Forschung in industrielle Sprache – ist eine Kernkompetenz für den späteren Berufsalltag. „Wir hatten dieses Mal fünf Studenten aus Deutschland, Italien und USA“, so Jurymitglied Franjo Wöstmann, CEO CastCoil GmbH. „Und ich habe es bei keinem anderen Talent Award im Vorfeld gesehen, dass die Studenten so qualitativ gut performt haben, sowohl inhaltlich als auch sprachlich in der Präsentation.“

Ein Perspektivwechsel für beide Seiten

„Wer überlegt, hier mitzumachen, sollte sich das nicht zweimal überlegen“, sagt Selina Freygang, FAU Erlangen-Nürnberg/AUDI AG, Gewinnerin des EUROGUSS Talent Awards im Januar 2026. „Man hat nichts zu verlieren und es ist eine tolle Möglichkeit, seine Arbeit auf einer großen Messe einem breiten Publikum vorzustellen.“ 

Der Mehrwert liegt nicht nur bei den Teilnehmenden. Auch Unternehmen erhalten Einblick in Denkweisen, die noch nicht vollständig durch industrielle Routinen geprägt sind. Neue Herangehensweisen an Prozessoptimierung, alternative Werkstoffkonzepte oder digitale Bewertungsmodelle zeigen, wie die nächste Generation technische Herausforderungen angeht.

EUROGUSS Talent Award 2026: (v.l.n.r.) Christian Hermann, Selina Freygang, Jack Webster, Elena Mingotti, Paul Becker, Gabriel Garcia, Theresa Spangler und Dr.-Ing. Alexander F. Marks.
Gruppenbild auf dem EUROGUSS Talent Award 2026. Von links nach rechts abgebildet: Christian Hermann, Selina Freygang, Jack Webster, Elena Mingotti, Paul Becker, Gabriel Garcia, Theresa Spangler und Dr.-Ing. Alexander F. Marks

 „Wir sehen, dass Entwicklungen – beispielsweise im Karosseriebau, im Räderguss oder im Sanitärbereich – dazu führen, dass neue Anwendungen in den Fokus kommen“, sagt Dr.-Ing. Alexander F. Marks, Chief Customer Officer bei Oskar Frech GmbH + Co. KG. „Wir brauchen deswegen gute Leute, die den Willen haben, Dinge neu zu denken.“

 

Ideen mit Produktionspotenzial

Der Talent Award positioniert sich als Wettbewerb mit fachlicher Substanz. Die Beiträge werden bewertet, diskutiert und eingeordnet. Gleichzeitig entsteht ein Dialog zwischen Hochschulen und Industrie, zwischen Forschung und Fertigung, zwischen Erfahrung und neuen Ideen.
 

„Ich wünsche mir spannende Ideen, die außerhalb meines Alltags liegen – und so irgendwann zur Weiterentwicklung unserer Technologie beitragen können“, erklärt Christian Hermann, Senior Instructor bei Bühler Die Casting. „Gleichzeitig möchte ich den jungen Talenten die Welt des Gusses näherbringen – mit all ihren Chancen für die eigene Karriere.“

Wie sich auf der EUROGUSS im Januar 2026 zeigte, hat die Druckgussbranche Lust auf Zukunft. Sie lotet Gestaltungspielräume aus – von HPDC über neue Legierungen und Rheocasting bis hin zu digitalen Prozessketten. Und auf dem Talent Award zeigt sich, welche Ideen und Menschen vielleicht das Potenzial haben, in die industrielle Praxis zu wachsen. 

Blick über die vollen Publikumsreihen auf die Bühne des EUROGUSS Talent Award 2026.
Beim EUROGUSS Talent Award präsentieren die Studierenden ihre Bachelor- und Mastarbeiten rund um den Druckguss.

Autor

EUROGUSS 365
Editors EUROGUSS 365
euroguss365@nuernbergmesse.de