• 11.02.2026
  • Fachbericht

Megacasting bei Volvo: Der neue EX60 geht an den Start

Tesla war der erste OEM, der großformatige Strukturbauteile im Aluminiumdruckguss in die Serienfertigung brachte und damit in der Automobilherstellung Maßstäbe setzte. Jetzt zieht mit Volvo Cars ein traditionsreicher europäischer Autobauer nach: Der im Januar der Öffentlichkeit vorgestellte SUV EX60 ist das erste Volvo-Modell, bei dem Megacasting in der Produktion zum Einsatz kommt.
Die hintere Struktur des EX60 mit Megacasting-Teil.

Megacasting bei Volvo: Der neue EX60 geht an den Star

Beim EX60 betrifft dies den hinteren Unterboden, der aus einem Stück gegossen wird. Die Technik ersetzt dort viele klassische Karosserie-Teile, die zuvor in mehreren Fertigungsschritten hergestellt, gefügt und montiert wurden. Das spart Zeit, Montage- und Logistikkosten und kann zugleich Masse reduzieren – wesentliche Faktoren für moderne Fahrzeugarchitekturen.

 

Schließkräfte von 8400 Tonnen

Im schwedischen Stammwerk in Torslanda, Göteborg, sind dafür in den letzten Jahren maßgebliche infrastrukturelle Veränderungen umgesetzt worden. Volvo hat konsequent in den Aufbau von Megacasting-Kompetenz investiert, einschließlich der Beschaffung großer Druckgießzellen, dem Aufbau einer eigenen Produktionshalle sowie der Schulung von Fachpersonal.

Zentrale technische Ausstattung sind Megacasting-Zellen vom Typ Carat 840, geliefert von der Schweizer Bühler Group. Diese Maschinen gehören zur Carat-Serie, die speziell für großformatige Strukturguss-Anwendungen entwickelt wurde. Die Carat 840 arbeitet mit Schließkräften von 8400 Tonnen. Mit einer Höhe von 7,6 Metern und einer Grundfläche von rund 160 Quadratmetern kann sie innerhalb von Millisekunden über 200 Kilogramm flüssiges Aluminium in eine Form gießen.

 

Mehr Reichweite durch weniger Gewicht

Wo früher zahlreiche Stanz- und Schweißteile angefahren und montiert wurden, entsteht eine Großkomponente direkt dort, wo sie verbaut wird. Die direkte Nähe zur Montage ist vorteilhaft. Die Reduktion der Bauteilanzahl führt zu einem geringeren Gewicht und zu einer höheren strukturellen Steifigkeit. Für Elektrofahrzeuge ist das kein Selbstzweck: Jedes eingesparte Kilogramm wirkt sich direkt auf den Energiebedarf und damit auf die Reichweite aus.

Gleichzeitig verlangt die Integration von Megacasting in bestehende Produktionssysteme interdisziplinäres Denken: Gießereitechniker, Werkzeugbauer, Karosserieingenieure und Montageplaner müssen eng verzahnt arbeiten, um die volle Potenz der Methode zu nutzen. Dass ein – mutmaßlich – volumenstarker Mittelklasse-SUV wie der EX60 diese Technologie übernimmt, kann als Bestätigung des Megacasting-Ansatzes verstanden werden.

 

Neue Elektroplattform

Der EX60 basiert auf einer neu entwickelten Elektroplattform, bei der Batterie, Antrieb und Struktur von Beginn an gemeinsam gedacht wurden. Die Batterie ist nicht mehr lediglich eingebaut, sondern als tragendes Element in die Fahrzeugstruktur integriert (Cell-to-Body-Prinzip). Das neue Modell soll weiter fahren und schneller laden als jedes andere Volvo-Elektroauto zuvor. 

„Der Volvo EX60 wurde entwickelt, um neue Maßstäbe zu setzen“, sagte Anders Bell, Chief Technology Officer bei Volvo Cars, anlässlich der Präsentation. „Mit unserer neuen Architektur für Elektrofahrzeuge gehen wir direkt auf die wichtigsten Bedenken ein, die Kunden haben, wenn sie über den Umstieg auf ein vollelektrisches Fahrzeug nachdenken. Das Ergebnis sind Bestwerte in Bezug auf Reichweite und Ladezeiten, die der Reichweitenangst ein Ende setzen.“