• 25.02.2026
  • Fachbericht

Großguss als Standortstrategie: ZF stärkt Werk Nürnberg mit neuen Anlagen

Der ZF-Standort Nürnberg befindet sich in einem strukturellen Umbau. Bis 2030 sollen 400 der 860 Vollzeitstellen bei der ZF Gusstechnologie GmbH entfallen. Bestandteil des jetzt mit der Arbeitnehmervertretung vereinbarten Zukunftskonzepts ist allerdings auch eine Investition in neue Anlagen für den Großguss. Rund 35 Millionen Euro will das Unternehmen dafür in die Hand nehmen.

Geschrieben von Editors EUROGUSS 365

Das Werk der ZF Gusstechnologie in Nürnberg.
Das Werk der ZF Gusstechnologie in Nürnberg erhält neue Aufgaben und Maschinen.

Am Standort Nürnberg werden bisher Getriebegehäuse und Aluminium-Baugruppen für Mechatronikeinheiten diverser Getriebevarianten gegossen. Auf den neuen Linien sollen künftig Gehäuse für die erfolgreichen ZF 8-Gang-Automatikgetriebe der neuesten Generation produziert werden, die in Pkw und leichten Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommen. Die Getriebegehäuse werden dann an ZF- Werke in Deutschland, Europa und in den USA geliefert. Der Standort Nürnberg übernimmt damit eine bedeutende Rolle innerhalb des konzernweiten Produktionsverbunds.

Getriebegehäuse zählen zu den anspruchsvolleren Druckgussbauteilen im Antriebsstrang. Neben hohen Anforderungen an Maßhaltigkeit und Oberflächenqualität spielen integrierte Funktionsbereiche wie Kühl- und Ölkanäle sowie anschließende mechanische Bearbeitung eine zentrale Rolle.

ZF-Standortleiter Oswaldo Linguevis.
ZF-Standortleiter Oswaldo Linguevis

Entwicklung neuer Produkte und Gießprozesse

„Die strategische Bedeutung des ZF-Gusswerks in Nürnberg wurde mit dem Investitionsentscheid von Division und Vorstand bestätigt“, freut sich Standortleiter Oswaldo Linguevis. Gleichzeitig wird der Standort als technologische Referenz definiert: „Als Kompetenzzentrum für Leichtmetall-Druckguss liegt der Schwerpunkt am Standort, neben der Grundversorgung der ZF-Werke, auf der Entwicklung neuer Produkte und Gießprozesse sowie der Standardisierung von Werkzeugen.“
 

Dafür investiert ZF in Nürnberg in mehrere neue Fertigungslinien. Sie bestehen jeweils aus einer Druckgussanlage mit einer Schließkraft von 3.500 Tonnen, einer verketteten Vorbearbeitung sowie vollautomatischer Prüfung und integrierter Palettierung. Damit stößt ZF zwar in neue Dimensionen beim Druckguss vor, bleibt aber mit der vorgesehenen Größe der Gießzellen deutlich unterhalb dessen, was heute technisch möglich ist. Das Unternehmen spricht daher bewusst von „Großguss“ und nicht von Megacasting, das offenbar aktuell kein Thema ist.

 

Vertikale Integration

Das Konzept ist weit fortgeschritten. „Die technische Detaillierung der neuen Anlagen erfolgt gemeinsam mit ausgewählten Lieferanten. Dieser Prozess befindet sich derzeit in der Endphase.“ Wer die neuen Gießzellen liefert, wollte ZF nicht sagen.

Ein weiterer Bestandteil des Zukunftskonzepts betrifft die vertikale Integration. So wurde vereinbart, Möglichkeiten zur Integration bislang externer Bearbeitungsschritte zu prüfen. Die Ausgestaltung der neuen Linien folgt diesem Ansatz. „Die Ausgestaltung der neuen Fertigungslinien erfolgt wertstromoptimiert, was bedeutet, dass wir sämtliche Produktions- und Logistikprozesse ganzheitlich betrachten und gestalten“, berichtet Oswaldo Linguevis. „In der Praxis bedeutet dies, dass wir prüfen, ob bestimmte mechanische Bearbeitungen, Montage- und Prüfprozesse, die derzeit außerhalb stattfinden, künftig innerhalb der neuen Linien abgebildet werden können.“ Das Ergebnis dieser Prüfung ist offen. Ob und welche Schritte konkret integriert werden, wird im Rahmen laufender Wirtschaftlichkeits- und Machbarkeitsanalysen bewertet.

 

Druckguss und E-Mobilität

Auch im Kontext der Elektromobilität bleibt der Druckguss für den ZF-Konzern ein zentrales Fertigungsverfahren. „Der Aluminium-Druckguss wird sowohl für klassische Produkte als auch in der Elektromobilität weiterhin eine wichtige Rolle spielen. In der E-Mobilität werden, wie in der klassischen Verbrenner-Technologie, viele Aluminiumteile benötigt, etwa für elektrische Achsantriebe, Hybridgetriebe oder Range Extender-Lösungen“, so Oswaldo Linguevis. 

Die Investition in neue Großgussanlagen zeigt, dass der Standort Nürnberg trotz strukturellem Umbau eine industrielle Perspektive behält. ZF verzichtet auf den Einstieg in das Megacasting, setzt stattdessen auf hochautomatisierte Serienprozesse für komplexe Bauteile.
 

ZF Friedrichshafen AG

Die ZF Friedrichshafen AG zählt zu den weltweit führenden Automobilzulieferern. Das Unternehmen entwickelt und produziert Systeme für Pkw, Nutzfahrzeuge und Industrieanwendungen. Das Portfolio umfasst Antriebs- und Getriebetechnik, Fahrwerk- und Sicherheitssysteme sowie Komponenten für elektrifizierte Antriebe.  

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EUROGUSS 365
Editors EUROGUSS 365
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