Dafür investiert ZF in Nürnberg in mehrere neue Fertigungslinien. Sie bestehen jeweils aus einer Druckgussanlage mit einer Schließkraft von 3.500 Tonnen, einer verketteten Vorbearbeitung sowie vollautomatischer Prüfung und integrierter Palettierung. Damit stößt ZF zwar in neue Dimensionen beim Druckguss vor, bleibt aber mit der vorgesehenen Größe der Gießzellen deutlich unterhalb dessen, was heute technisch möglich ist. Das Unternehmen spricht daher bewusst von „Großguss“ und nicht von Megacasting, das offenbar aktuell kein Thema ist.
Vertikale Integration
Das Konzept ist weit fortgeschritten. „Die technische Detaillierung der neuen Anlagen erfolgt gemeinsam mit ausgewählten Lieferanten. Dieser Prozess befindet sich derzeit in der Endphase.“ Wer die neuen Gießzellen liefert, wollte ZF nicht sagen.
Ein weiterer Bestandteil des Zukunftskonzepts betrifft die vertikale Integration. So wurde vereinbart, Möglichkeiten zur Integration bislang externer Bearbeitungsschritte zu prüfen. Die Ausgestaltung der neuen Linien folgt diesem Ansatz. „Die Ausgestaltung der neuen Fertigungslinien erfolgt wertstromoptimiert, was bedeutet, dass wir sämtliche Produktions- und Logistikprozesse ganzheitlich betrachten und gestalten“, berichtet Oswaldo Linguevis. „In der Praxis bedeutet dies, dass wir prüfen, ob bestimmte mechanische Bearbeitungen, Montage- und Prüfprozesse, die derzeit außerhalb stattfinden, künftig innerhalb der neuen Linien abgebildet werden können.“ Das Ergebnis dieser Prüfung ist offen. Ob und welche Schritte konkret integriert werden, wird im Rahmen laufender Wirtschaftlichkeits- und Machbarkeitsanalysen bewertet.
Druckguss und E-Mobilität
Auch im Kontext der Elektromobilität bleibt der Druckguss für den ZF-Konzern ein zentrales Fertigungsverfahren. „Der Aluminium-Druckguss wird sowohl für klassische Produkte als auch in der Elektromobilität weiterhin eine wichtige Rolle spielen. In der E-Mobilität werden, wie in der klassischen Verbrenner-Technologie, viele Aluminiumteile benötigt, etwa für elektrische Achsantriebe, Hybridgetriebe oder Range Extender-Lösungen“, so Oswaldo Linguevis.
Die Investition in neue Großgussanlagen zeigt, dass der Standort Nürnberg trotz strukturellem Umbau eine industrielle Perspektive behält. ZF verzichtet auf den Einstieg in das Megacasting, setzt stattdessen auf hochautomatisierte Serienprozesse für komplexe Bauteile.