Laut Erhebungen der Restrukturierungsberatung Falkensteg meldeten im ersten Halbjahr 2025 deutlich mehr Unternehmen der Gießereibranche Insolvenz an als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der betroffenen Betriebe hat sich hierzulande gegenüber 2024 fast verdreifacht. 16 Unternehmen mussten bis einschließlich Juni 2025 diesen Schritt gehen.
Auch für das Gesamtjahr ist keine Entspannung in Sicht: Es zeigt sich eine zunehmende Spreizung zwischen zukunftsfähigen Standorten und nicht wettbewerbsfähigen Betrieben, sagt Jonas Eckhardt, Partner bei Falkensteg, im Interview mit EUROGUSS 365.
Strukturelle Überkapazitäten
Die Ursachen liegen weniger in kurzfristigen Schocks als vielmehr in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Die Rückgänge bei Auftragseingängen seien in vielen Fällen nicht konjunkturell, sondern dauerhaft, ist Eckhardt überzeugt:
„Wir haben einfach massive Überkapazitäten.“ Hintergrund ist der Wandel in der Automobilindustrie. Die Elektrifizierung reduziere den Bedarf an klassischen Gussteilen – etwa an Getriebegehäusen oder Motorkomponenten. Viele Unternehmen sehen sich mit sinkenden Abrufen konfrontiert.
Die Situation werde durch einen jahrzehntelangen Investitionsstau verschärft, erklärt der Experte. In vielen Gießereien wurde zuletzt kaum modernisiert – häufig, weil die Mittel aufgrund niedriger Margen fehlen. Heute erweist sich das als gravierender Nachteil: Veraltete Maschinenparks und ineffiziente Prozesse hemmten nicht nur die Produktivität, sondern auch die Bereitschaft potenzieller Investoren, in solche Betriebe einzusteigen.
Die Folge: Die Sanierungsfähigkeit sinkt.
„Früher konnten rund zwei Drittel der Unternehmen über alle Branchen hinweg aus der Insolvenz heraus gerettet werden. Heute liegt die Quote bei einem Drittel – im Guss-Segment ist sie noch deutlich niedriger“, sagt Eckhardt. Aktuell genau bei 0 Prozent. 2023 konnten noch alle insolventen Betriebe der Branche gerettet werden.
Perspektiven durch Transformation
Unternehmen, die rechtzeitig in moderne Anlagen, digitale Prozesse und langfristige Kundenbindungen investiert haben, gelten in der Branche als stabile Säulen. Einige übernehmen gezielt Volumen aus insolventen Standorten – oft auf Wunsch der Kunden. Diese gezielte Konsolidierung kann für einzelne Akteure neue Chancen eröffnen.
Die Druckgussbranche steht an einem Wendepunkt. Die bisherigen Geschäftsmodelle einer Reihe von Betrieben tragen nicht mehr – doch die Nachfrage nach hochwertigen Gussprodukten wird nicht verschwinden. Es braucht Mut zur Veränderung, Investitionen in Zukunftsfähigkeit und neue Partnerschaften. Für diejenigen, die diese Transformation aktiv gestalten, bieten sich Perspektiven – auch wenn der Weg dorthin steinig bleibt.




