Die Veranstaltung wird von der fka GmbH in Kooperation mit dem ika ausgerichtet. Welche Rolle spielt die fka aktuell in der Fahrzeugentwicklung – und mit welchen Themen sind Sie besonders stark im Markt positioniert?
Lutz Berger: Die fka GmbH nimmt seit mehr als 40 Jahren eine zentrale Rolle als interdisziplinärer Entwicklungsdienstleister in den frühen Phasen der Mobilitätsentwicklung von morgen ein. Als wichtige Schnittstelle zwischen universitären Forschungseinrichtungen und OEMs sowie Zulieferern verbinden wir wissenschaftliche Exzellenz mit industrieller Umsetzungsstärke
Wir sind im Markt besonders stark positioniert bei zukunftsweisenden Innovationsthemen – insbesondere in den Bereichen Modularität, Nachhaltigkeit, Künstliche Intelligenz, nutzerzentrierte Entwicklung, automatisiertes Fahren und „Software-defined Vehicle“.
Mega- oder Gigacasting ist in aller Munde. Wie bewerten Sie die Relevanz dieses Konzepts für die Breite der Industrie? Welche technischen oder wirtschaftlichen Hürden sehen Sie aktuell beim Einsatz großformatiger Gussteile?
Lutz Berger: Die meisten OEMs beschäftigen sich mittlerweile mit Megacasting, einige noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase, andere bereits mit ersten Serienanwendungen und der entsprechenden Infrastruktur, insbesondere in China. Hier hat sich in den letzten Jahren zudem eine starke Zulieferindustrie entwickelt, die Anlagen auch direkt beim OEM betreibt. Somit ist die Relevanz aktuell als hoch einzuschätzen, zumal industrieseitig der Druck, die Fertigungszeit und -komplexität zu senken, ebenfalls hoch ist.
Dennoch bleibt abzuwarten, in welchem Umfang sich Megacasting etablieren wird, sowohl in Bezug auf die Anwendungsbereiche in der Karosserie als auch in Bezug auf die Fahrzeugsegmente, in denen entsprechende Bauteile eingesetzt werden. Es gibt ja auch Ansätze, großformatige Gussteile mit geringerer Integrationstiefe auf eher konventionellen Druckgussmaschinen herzustellen. Denn eine wesentliche wirtschaftliche Hürde bilden die hohen Investitionskosten, unter anderem in die für die Megacasting-Maschinen erforderliche Gebäudeinfrastruktur. Auf der technischen Seite stellt der Know-how-Aufbau hinsichtlich Prozess- und Bauteilauslegung eine nicht zu unterschätzende Hürde dar.