• 27.08.2025
  • Interview

„Gemeinsam die Zukunft der Mobilität gestalten“: die Aachener Karosserietage 2025 als Forum mit Substanz

Die Anforderungen an Autokarosserien verändern sich, neue Produktionsverfahren wie Megacasting revolutionieren gewohnte Konstruktionsprinzipien. Ein zentrales Forum für diese Themen sind die Aachener Karosserietage (AKT), die am 16. und 17. September 2025 erneut Experten aus Industrie, Forschung und Entwicklung zusammenbringen. Organisiert wird die Veranstaltung von der fka GmbH gemeinsam mit dem Institut für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen University. Wir haben mit Lutz Berger von der fka über die diesjährigen Schwerpunkte gesprochen – und darüber, welche Rolle der Druckguss spielen kann.

Geschrieben von Editors EUROGUSS 365

autokarosserie auf einer messe
Lutz Berger
Lutz Berger (fka), Mitorganisator der Aachener Karosserietage

Herr Berger, was war Ihnen bei der Programmgestaltung für die Aachener Karosserietage besonders wichtig?

Lutz Berger: Bei den Aachener Karosserietagen 2025 greifen wir zentrale Themen und Trends rund um die Fahrzeugkarosserie auf. Dies umfasst sowohl die Präsentation aktueller Karosserien und innovativer Komponenten als auch Entwicklungen in Bereichen wie Fügetechnik, Materialien oder Fertigung. Im Mittelpunkt stehen neue Fahrzeugmodelle wie der Audi A6 Avant, Li Auto i8, Lucid Gravity, BMW X3 und Audi Q6 e-tron sowie die BIW-Plattform „Inglo“ von Mahindra. 

Ein Schwerpunkt liegt auf Entwicklungen zur Elektromobilität, etwa bei Batteriegehäusen aus Edelstahl und Verbundwerkstoffen, Leichtbaustrategien, Brandschutzkonzepten und Unterbodenschutzsystemen. Aluminium bleibt ein zentrales Thema – etwa in Form von Megacasting. Ergänzt wird dies durch innovative Werkstoffe wie eine neue von Volkswagen entwickelte Stahlgüte.

In der Gestaltung des Programms legen wir großen Wert auf technologische Substanz und fachliche Tiefe. Die Veranstaltung ist bewusst nicht marketing-, sondern technologiegetrieben. Hochkarätige Referentinnen und Referenten aus Industrie und Forschung sorgen für fundierte Beiträge und niveauvolle Diskussionen. Uns ist ein offenes, kollegiales Umfeld besonders wichtig, da es den internationalen Austausch fördert.

Wen möchten Sie mit dem diesjährigen Format ansprechen – und wie verändert sich das Fachpublikum im Vergleich zu früheren Jahren?

Lutz Berger: Die AKT 2025 richten sich an ein internationales Fachpublikum aus der Automobilbranche – insbesondere an Experten aus den Bereichen Karosserieentwicklung, Materialtechnologie und Fertigung. Im Mittelpunkt stehen Ingenieure, Entwickler und technische Entscheidungsträger entlang der gesamten automobilen Wertschöpfungskette – von OEMs über Materialzulieferer bis hin zu System- und Tier-1-Lieferanten. Besonders wichtig ist uns die gezielte Durchmischung des Publikums: Neben Industrievertretern begrüßen wir auch Fachgutachter und externe Experten, die sich über aktuelle Trends, Technologien und Entwicklungen informieren möchten.

Im Vergleich zu den Vorjahren lässt sich keine grundsätzliche Veränderung in der Zusammensetzung des Publikums feststellen. Allerdings beobachten wir eine deutliche Internationalisierung, was für uns ein Spiegelbild des wachsenden globalen Wettbewerbs in der Automobilindustrie ist.

Die Karosserietage zeigen regelmäßig aktuelle Serienfahrzeuge als Exponate. Was können Besucher in diesem Jahr erwarten – und welche Rolle spielen reale Fahrzeuge für die Diskussion?

Lutz Berger: Auch in diesem Jahr werden wieder aktuelle Serienfahrzeuge als physische Exponate präsentiert – darunter der Audi A6 Avant, der Lucid Gravity, der neue BMW X3 sowie der Audi Q6 e-tron. Reale Fahrzeuge spielen eine zentrale Rolle im fachlichen Austausch, da sie die Inhalte der Vorträge unmittelbar erlebbar machen und einen direkten Praxisbezug herstellen. Das Erleben und in Einzelfällen auch das Fahren dieser Modelle trägt zu einem offenen, ungezwungenen Dialog bei und schafft eine greifbare Verbindung zur Theorie.  
Darüber hinaus bringen auch viele unserer Aussteller Exponate mit, die direkt am Stand begutachtet und diskutiert werden können. Auf diese Weise entsteht eine lebendige Plattform, die die Qualität und Tiefe der technischen Diskussion nachhaltig fördert.
 

autokarosserie auf einer messe
Die Präsentation aktueller Karosserien ist elementarer Bestandteil der Veranstaltung.

Die Veranstaltung wird von der fka GmbH in Kooperation mit dem ika ausgerichtet. Welche Rolle spielt die fka aktuell in der Fahrzeugentwicklung – und mit welchen Themen sind Sie besonders stark im Markt positioniert?

Lutz Berger: Die fka GmbH nimmt seit mehr als 40 Jahren eine zentrale Rolle als interdisziplinärer Entwicklungsdienstleister in den frühen Phasen der Mobilitätsentwicklung von morgen ein. Als wichtige Schnittstelle zwischen universitären Forschungseinrichtungen und OEMs sowie Zulieferern verbinden wir wissenschaftliche Exzellenz mit industrieller Umsetzungsstärke

 Wir sind im Markt besonders stark positioniert bei zukunftsweisenden Innovationsthemen – insbesondere in den Bereichen Modularität, Nachhaltigkeit, Künstliche Intelligenz, nutzerzentrierte Entwicklung, automatisiertes Fahren und „Software-defined Vehicle“.


Mega- oder Gigacasting ist in aller Munde. Wie bewerten Sie die Relevanz dieses Konzepts für die Breite der Industrie? Welche technischen oder wirtschaftlichen Hürden sehen Sie aktuell beim Einsatz großformatiger Gussteile? 

Lutz Berger: Die meisten OEMs beschäftigen sich mittlerweile mit Megacasting, einige noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase, andere bereits mit ersten Serienanwendungen und der entsprechenden Infrastruktur, insbesondere in China. Hier hat sich in den letzten Jahren zudem eine starke Zulieferindustrie entwickelt, die Anlagen auch direkt beim OEM betreibt. Somit ist die Relevanz aktuell als hoch einzuschätzen, zumal industrieseitig der Druck, die Fertigungszeit und -komplexität zu senken, ebenfalls hoch ist.

Dennoch bleibt abzuwarten, in welchem Umfang sich Megacasting etablieren wird, sowohl in Bezug auf die Anwendungsbereiche in der Karosserie als auch in Bezug auf die Fahrzeugsegmente, in denen entsprechende Bauteile eingesetzt werden. Es gibt ja auch Ansätze, großformatige Gussteile mit geringerer Integrationstiefe auf eher konventionellen Druckgussmaschinen herzustellen. Denn eine wesentliche wirtschaftliche Hürde bilden die hohen Investitionskosten, unter anderem in die für die Megacasting-Maschinen erforderliche Gebäudeinfrastruktur. Auf der technischen Seite stellt der Know-how-Aufbau hinsichtlich Prozess- und Bauteilauslegung eine nicht zu unterschätzende Hürde dar.

Was wünschen Sie sich von Gießereien und Gusszulieferern – sowohl mit Blick auf ihre Präsenz bei den Karosserietagen als auch auf ihre Rolle in der automobilen Strukturentwicklung insgesamt?

Lutz Berger: Wir würden uns sehr über eine rege Teilnahme von Gussexperten an unseren Veranstaltungen freuen, um gegenseitig Fachwissen zu erweitern und das Netzwerk zu stärken. Im Hinblick auf die Karosserietage wünschen wir uns, dass Gießereien ihre technologischen Kompetenzen noch stärker sichtbar machen, aktiv den Austausch mit Entwicklungsdienstleistern und OEMs suchen und gemeinsam mit uns diskutieren, wie Guss künftig einen bedeutenden Beitrag zur Transformation hin zur elektrischen, vernetzten und softwaredefinierten Mobilität leisten kann.

Für die Rolle in der automobilen Strukturentwicklung halte ich es für besonders wichtig, Akteure aus allen Stufen der Wertschöpfungskette zusammenzubringen. Gerade im frühen Konzeptstadium ist ein intensiver Dialog entscheidend – und zwar nicht nur über Werkstoffe und Fertigungstechnologien, sondern auch über Systemintegration, Crash-Performance, Bauraumoptimierung und Nachhaltigkeit entlang der gesamten Lieferkette.
Daher wünsche ich mir, gemeinsam Innovationen voranzutreiben und die Zukunft der Mobilität aktiv zu gestalten.
 

Vielen Dank für das Interview!

Mann spricht auf einer Bühne
Hochkarätige Referenten aus Industrie und Forschung sorgen für fundierte Beiträge.

Zur Person: Lutz Berger

Diplom-Ingenieur Lutz Berger ist Head of Vehicle Concepts, Body & Interior bei der fka GmbH in Aachen. In dieser Funktion verantwortet er unter anderem die Entwicklung und Bewertung innovativer Karosseriestrukturen, Werkstoffkonzepte und Innenraumarchitekturen. Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Fahrzeugkonzeption, Produktionstechnologie und automobiler Systemintegration. Seit vielen Jahren ist er als fka-Mitarbeiter die Brücke zwischen Wissenschaft und Industrie. Er kennt die internationale OEM- und Zulieferlandschaft sowie neueste Innovationen der Wissenschaft und lässt dieses Know-how als Mitorganisator der Aachener Karosserietage in die inhaltliche Ausrichtung der Veranstaltung einfließen. 

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