Das Verfassen eines Nachhaltigkeitsberichts wird oft als lästige Vorgabe und Inanspruchnahme von Zeit und Ressourcen gesehen. Wie groß war Ihr Mehraufwand für diesen Bericht? Welche Ressourcen waren nötig?
Röders: Als Automobilzulieferer hatten wir einen erheblichen Vorteil, da wir bereits vollständig zertifiziert sind. Unsere Zertifizierungen umfassen den Qualitätsmanagementstandard nach IATF 16949, den Umweltstandard nach ISO 14001, den Arbeitssicherheitsstandard nach ISO 45001 (in der Entwicklung) und den Energiemanagementstandard nach ISO 50001. Durch diese etablierten Managementsysteme haben wir uns ein Denken nach dem PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) angeeignet.
Der Ablauf von Planung, Umsetzung, Überprüfung durch Kennzahlen und entsprechende Handlungen ist für uns vertraut und in den Betriebsabläufen integriert. Diese Herangehensweise hat die Arbeit an der Berichterstattung erheblich vereinfacht, da wir auf bestehende Strukturen und Prozesse zurückgreifen konnten und so weniger Ressourcen für die Erstellung des Berichts benötigt haben.
Schüttler: Wenn wir den zeitlichen Rahmen betrachten, haben wir bisher ungefähr 6 Monate für die Fertigstellung des ersten Berichtsentwurfs benötigt. Dieser wird nun noch gemäß dem Feedback des DNK überarbeitet, wofür wir einen zusätzlichen Monat einplanen. Während dieser Zeit hat allerdings niemand der Beteiligten in Vollzeit an dem Bericht gearbeitet.
Der Prozess ist geprägt von Datensammlung und der Zusammenarbeit verschiedener Abteilungen und Standorte, was naturgemäß Zeit in Anspruch nimmt. Der gesamte Aufwand bezieht sich nun auf die Entwicklung des Erstberichts. In den folgenden Jahren kann man auf bereits etablierte Prozesse und gesammelte Daten aufbauen. Es ist gängig, Aspekte wie die Wesentlichkeitsanalyse jährlich nur zu überprüfen und zu aktualisieren oder sofern notwendig auszubauen. Das benötigt in jedem Fall weniger Ressourcen als die erste Entwicklung.
Auf der DNK-Plattform gibt es beispielsweise die Funktion, einen Text aus dem Bericht des Vorjahres in den aktuellen zu übernehmen, um ihn dann zu überarbeiten. Mit jedem Jahr wachsen auch die Erfahrungen und das Wissen, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass der Aufwand reduziert wird.
G.A. Röders ist ein Unternehmen, was ja bereits seit einiger Zeit sehr verwachsen ist mit Nachhaltigkeitsthemen - eine ideale Voraussetzung für einen Nachhaltigkeitsbericht. Was waren dennoch Herausforderungen, die Ihnen begegnet sind? Und was haben Sie daraus mitgenommen, was anderen Unternehmen im Vorhinein helfen könnte?
Röders: Die größte Herausforderung für uns bestand in der Definition der Stakeholder und der Wesentlichkeit. Als produzierender Unternehmer bin ich natürlich eng mit meinem Produkt verbunden. Die Anforderungen des Berichts gehen jedoch weit über das Produkt hinaus, was insbesondere für mittelständische Unternehmer*innen herausfordernd sein kann.
Wir stießen auf Schwierigkeiten, weil uns eine klare Systematisierung fehlte. Solche Fragen zur Position und Interaktion in der Gesellschaft hatten wir uns zuvor nicht so konkret gestellt. In unserem Fall ergab sich die bisherige Identifikation von Stakeholdern und wesentlichen Aspekten auf natürliche Weise durch unsere enge Verbindung mit der Heide. Für zukünftige Berichtszyklen und für andere Unternehmen ist es sicherlich hilfreich, sich frühzeitig und ausgiebig mit solchen Fragen auseinanderzusetzen, um eine solide Grundlage für die Berichterstattung zu schaffen.
Schüttler: Eine Herausforderung lag auch darin, dass Risikoanalysen und -bewertungen bisher nicht systematisch die ganze Lieferkette abdeckten. Meinem Eindruck nach haben in Anbetracht der geo-politischen Spannungen der letzten Jahre Fragen zu Lieferketten im Mittelstand zwar grundsätzlich an Bedeutung gewonnen, beispielsweise bezüglich Resilienz und Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeitsaspekte standen jedoch noch eher im Hintergrund. Obwohl viele Betriebe sich der übergeordneten Risiken in ihren Lieferketten bewusst sind, erfordert die Berichterstattung eine systematische Analyse, und beispielsweise die Unterlegung mit Risikomanagementsystemen, um den Anforderungen des DNK und später dann der ESRS gerecht zu werden.
Ein wesentlicher Bestandteil des Nachhaltigkeitsberichtes ist die Nachhaltigkeitsstrategie. Worauf haben Sie bei Ihrer Strategie wertgelegt?
Von Hülse: Die Tatsache, dass G.A. Röders seit rund 200 Jahren erfolgreich auf dem Markt agiert, ist ja bereits in gewisser Hinsicht ein Beweis für Nachhaltigkeit. Viele der Facetten der Nachhaltigkeit werden bei uns bereits seit langer Zeit gelebt, auch wenn diese nicht explizit niedergeschrieben wurden. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Nachhaltigkeitsstrategie vor Ort ist das soziale Engagement, insbesondere in Form von Fachkräftebeschäftigung und der Ausbildung neuer Nachwuchskräfte.
Darüber hinaus sind Aspekte der Rohmaterialbeschaffung und insbesondere die Optimierung unserer Prozesse wichtige Bestandteile unserer Bemühungen im Bereich der Nachhaltigkeit.
Inwiefern hat denn der Berichterstattungsprozess Ihre bereits bestehende Nachhaltigkeitsstrategie beeinflusst?
Von Hülse: Der Prozess hat viele der bestehenden Bemühungen geschärft. Es ist auch deutlich geworden, dass viele der Maßnahmen systematisch dokumentiert werden müssen, um sie sichtbarer zu machen. Dieser Prozess hat uns motiviert, bestehende Ansätze weiter zu denken und möglicherweise auszubauen. Das systematische Hinterlegen und Konkretisieren der Nachhaltigkeitsbemühungen ermöglichten dann nicht nur eine transparente Kommunikation nach außen, sondern stärkt auch intern das Bewusstsein und die Verpflichtung für eine nachhaltige Unternehmensführung.
Röders: Dem stimme ich vollkommen zu. Das schriftliche Festhalten von Informationen ermöglicht oft mehr Klarheit und Struktur. Durch die Definition einer Unternehmenspolitik geht man einen wichtigen Schritt in Richtung Selbstreflektion und Rechenschaftspflicht.
G.A. Röders hat nun mit MARS einen wichtigen Meilenstein in Richtung Transparenz und Rechenschaftslegung gemeistert. Wie schauen Sie in die Zukunft? Und was muss zukünftig auch innerhalb der Politik sichergestellt werden?
Röders: Wir schauen zuversichtlich in die Zukunft, da wir Produkte herstellen, die für eine nachhaltige Welt von essenzieller Bedeutung sind. Wir verstehen uns als integralen Bestandteil dieser nachhaltigen Welt und erstellen daher gerne einen Nachhaltigkeitsbericht, der unseren Standpunkt dokumentiert.
Mit Blick auf politische Entwicklungen und zukünftige Anforderungen habe ich den Wunsch, dass dem Mittelstand ein gewisses Vertrauen entgegengebracht wird, ohne ihn durch übermäßige bürokratische Hürden zu erdrücken. Für kleine(-re) Betriebe ist nur eine begrenzte Menge an Regularien und Anforderungen umsetzbar, wobei viele unserer Nachhaltigkeitsbemühungen auch außerhalb eines formellen Berichts umgesetzt werden.
Außerdem sollten die Anforderungen nicht nur in ihrer Menge, sondern auch in ihrem Inhalt realistisch und umsetzbar sein. Als Mittelständler ist es schwer, eine Sorgfaltspflicht bis zur Abbauregion sicherzustellen. Daher müssen wir uns auf deutsche und europäische Richtlinien verlassen können, um sicherzustellen, dass unsere Zulieferer im größeren Sinne nachhaltig agieren.
In diesem Zusammenhang befürworte ich ein sinnvolles und durchdachtes Maßhalten in der Regularienlandschaft. Das passt ja auch gut mit dem Prinzip des nachhaltigen Wirtschaftens überein...
Schüttler: Ich freue mich sehr auf die baldige Fertigstellung des Berichts. Ich bin überzeugt, dass es ein sehr guter Bericht ist, der für viele Stakeholder und für die weitere Nachhaltigkeitsreise sehr spannend sein wird. Bei MARS verfolgen wir das wichtige Ziel, mittelständische Unternehmen auf die CSRD vorzubereiten und Berichterstattungsprozesse in Unternehmen zu etablieren. Wir unterstützen Unternehmen angefangen von der Wesentlichkeitsanalyse, über die Datensammlung bis hin zur Erarbeitung der Berichtsinhalte. Ich hoffe und denke, dass wir das gemeinsam mit der G.A. Röders für den DNK nun gut gemeistert haben.