Rohstoffströme: Zahlen und Trends
Eine weitere Folge der Unsicherheit zeigt sich im Rohstoffmarkt. Die Verfügbarkeit von Primäraluminium bleibt in Deutschland trotz gestiegener Preise derzeit weitgehend stabil. Im Jahr 2024 wurden hierzulande rund 700.000 Tonnen Aluminium zu Gussprodukten verarbeitet, während die Produktion von Primäraluminium bei etwa 300.000 Tonnen lag. Der Bedarf wird zu einem großen Teil durch Importe gedeckt – vor allem aus Osteuropa, der Schweiz und den Niederlanden.
Dynamisch zeigt sich der Markt für Aluminiumschrott: Im schlimmsten Fall könnten US-Unternehmen künftig Aluminiumschrott zu Höchstpreisen aus Europa abziehen, während die heimische Industrie leer ausgeht. „Aktuell gibt es zwei konkurrierende Meinungen dazu. Die Aluminiumschrott-Preise haben sich in den vergangenen Monaten fast verdoppelt“, so Kappes. Noch gebe es keine akuten Engpässe – aber das Risiko sei real.
Mit Blick auf eine langfristig stabile Versorgung arbeitet die EU an einer stärkeren Diversifizierung ihrer Rohstoffquellen. Strategische Partnerschaften mit klassischen Bauxit-Förderländern wie Australien, Indonesien und Guinea stehen auf der Agenda. In Australien beispielsweise laufen derzeit Verhandlungen über umfangreiche Rohstoffabkommen, um sich unabhängiger von einzelnen Lieferanten zu machen.
Angemessene Reaktion der EU
Wie soll Europa auf den Zollpoker reagieren? Kappes begrüßt das abgestufte und koordinierte Vorgehen der EU. „Die Gegenmaßnahmen der EU sind aktuell richtig. Es wurde abgewägt und die Maßnahmen wurden in zwei Schritten live gesetzt“, sagt er. Ein „Wettlauf der Zölle“ sei für niemanden auf Dauer von Vorteil. Sein Appell an die Politik ist klar: „Wir müssen funktionierende transatlantische Beziehungen haben. Es kann nicht sein, dass wir einen Zollkrieg haben. Wir brauchen langfristig den Abbau der Zölle.“
Die deutschen und europäischen Gießereien stehen aktuell zwar nicht im Epizentrum des Handelskonflikts, doch die Dynamik der globalen Märkte und die politische Unsicherheit erhöhen den Anpassungsdruck enorm. Direkt sind die Auswirkungen der US-Zölle noch überschaubar – aber der gefährlichste Gegner bleibt die Unsicherheit. „Das Positivste ist, dass wir nicht zu extremen Prozentsätzen mit Direktgeschäften in den USA belastet sind“, resümiert Kappes, „aber die fehlende Planbarkeit ist ein Problem, das alle betrifft.“