Kfz-Zulieferer investieren kräftig
28.11.2022 Branche & Märkte News

Kfz-Zulieferer investieren kräftig

Die Automobilproduktion in Mexiko hat noch nicht das Niveau von vor der Coronapandemie erreicht. Dennoch planen zahlreiche Zulieferer neue Werke im Land.

Bild der mexikanischen Flagge

Die Logistikprozesse in Mexikos Automobilindustrie laufen wieder runder, nachdem sie durch die Lockdowns ins Stocken geraten waren. Auch die Versorgung mit Halbleiterchips hat sich stabilisiert. Im 1. Halbjahr 2022 liefen in den Kfz-Werken des lateinamerikanischen Landes rund 1,7 Millionen Pkw vom Band, 3,9 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. 

Allerdings droht dem Sektor eine sinkende Nachfrage aus den USA, aufgrund des dort nachlassenden Wirtschaftswachstums. Im Jahr 2021 wurden rund 91 Prozent der in Mexiko hergestellten Fahrzeuge ins Ausland verkauft, der größte Teil davon in die USA. 

Wichtige Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in Mexiko

Vor allem Zulieferer investieren in Mexiko 

Kein Sektor in Mexiko zieht mehr ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment; FDI) an als die Automobilindustrie. Im Jahr 2021 investierten ausländische Kfz-Unternehmen rund 5,5 Milliarden US-Dollar (US$) im Land, so das Wirtschaftsministerium (Secretaría de Economía). Dies entsprach 17,4 Prozent des gesamten FDI-Zuflusses und war etwa ein Viertel höher als der Wert 2020. Das bisherige Rekordjahr 2017 mit FDI in Höhe von 7,9 Milliarden US$ erscheint jedoch in weiter Ferne.  

Da inzwischen fast alle großen Automobilhersteller Werke in Mexiko eröffnet haben, konzentrieren sich die neuen Investitionen auf Ausbauprojekte und die Tier-1- und Tier-2-Zulieferer. Auch die Herstellung von Kfz-Teilen für Elektrofahrzeuge gewinnt an Bedeutung, wie Investitionspläne von LG Magna e-Powertrain und ZF Friedrichshafen zeigen. Mexiko verfügt mit rund 1.300 produzierenden Teileherstellern zwar über ein gut ausgebautes Lieferantennetz, Produkte für Elektro- und Hybridautos liefern bislang aber nur rund 50 Unternehmen zu, meldet der Branchenverband Industria Nacional de Autopartes (INA). 

Mexiko überholt Deutschland bei der Produktion von Kfz-Teilen 

Im Jahr 2021 produzierte die mexikanische Kfz-Zulieferindustrie Autoteile im Wert von 94,8 Milliarden US$. Diese Zahl verkündete Francisco González, Präsident des Autoteileverbandes INA bei der Messe Automechanika Mexico im Juli 2022. Damit habe Mexiko Deutschland zum ersten Mal überholt und gelte nun als viertgrößter Hersteller von Kfz-Teilen weltweit. Für 2022 erwartet der Autoteileverband INA einen Produktionswert von über 100 Milliarden US$. Zahlreiche deutsche Zulieferer sind in Mexiko vertreten, darunter Continental, ZF Friedrichshafen, Bosch, Dräxlmaier, Schaeffler, Mahle, Brose und ThyssenKrupp. 

 

Stadtgeländewagenmodelle führen Produktion an 

In den vergangenen Jahren haben sich die Automobilwerke an die starke US-Nachfrage nach Sport Utility Vehicle (SUV), Pick-ups und Geländewagen angepasst. Neben den USA ist aufgrund des United States-Mexico-Canada-Agreements (USMCA) auch Kanada ein bedeutender Absatzmarkt für mexikanische Kfz. 

Die Hersteller richten ihren Fokus auf E-Mobilität. General Motors kündigte bereits 2021 an, das Werk in Ramos Arizpe für 1 Milliarde US$ auf die Produktion von Elektrofahrzeugen umzustellen. Ford startete im November 2020 mit der Produktion des Mustang Mach-E, das erste in Mexiko gefertigte Elektroauto. Im 1. Halbjahr 2022 produzierte Ford rund 34.000 Mustang Mach-E in Mexiko. 

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Kapazität nur zu 70 Prozent ausgelastet 

Mexiko stand 2021 mit 3,1 Millionen produzierten Fahrzeugen auf Platz sieben der weltweit größten Herstellerländer, nur knapp hinter Deutschland. Die Produktionskapazität liegt jedoch sogar bei 5 Millionen Fahrzeugen jährlich, so der Branchenverband AMIA. Sie verteilt sich auf landesweit 22 Werke, von denen einige bereits in den 1960er Jahren errichtet wurden. Dazu gehört das Volkswagen-Werk in Puebla (Eröffnung 1964) mit einer Kapazität von rund einer halben Million Fahrzeuge. Die Auslastung der Werke lag vor der Pandemie laut AMIA bei rund 90 Prozent, im Jahr 2021 erreichte sie jedoch nur 70 Prozent. Hinzu kommen landesweit zehn Werke für Motoren und sieben Produktionsstätten für Getriebe. 

Geografisch konzentriert sich die Kfz-Industrie auf die zentrale Bajió-Region um die Bundesstaaten Aguascalientes, Jalisco, Guanajuato, San Luis Potosí und Querétaro. Auch die an die USA angrenzenden Bundesstaaten wie Coahuila und Nuevo León sind attraktiv, ebenso México und Puebla. In Letzterem befinden sich die Werke von Volkswagen und Audi. Größte Hersteller waren 2021 mit jeweils drei Werken im Land General Motors und Nissan, gefolgt von Stellantis, Volkswagen, Toyota, KIA und Ford. Eine geografische Übersicht über die Automobilwerke in Mexiko bietet AMIA. 

Auch die Herstellung von Nfz ist bedeutend. Mexiko ist der weltweit viertgrößte Exporteur von Lkw, Sattelschleppern und Bussen. Insgesamt sind zwölf Werke für Nfz in Mexiko vorhanden.  

Die EUROGUSS MEXICO ist die Plattform, um vor Ort mit dem Markt ins Gespräch zu kommen.  

Quelle: GTAI | https://www.gtai.de/de/trade/mexiko/branchen/kfz-zulieferer-investieren-kraeftig-866428

Autoren

Edwin Schuh