Frau Exner-Wöhrer, was waren die Gründe dafür, das Forschungs- und Entwicklungszentrum am Standort Lend zu errichten?
Karin Exner-Wöhrer: Die Themen Forschung und Weiterentwicklung sind für SAG seit jeher sehr wichtig. Im Bereich Rheocasting haben wir die letzten Jahre intensiv geforscht und getestet. Dadurch haben wir uns als erster als Serienproduzent am Markt etabliert. Jetzt geht es uns darum, unsere Technologieführerschaft in diesem Bereich weiter auszubauen und der Forschung noch mehr Raum – im wörtlichen Sinne – zu geben.
Sie haben Rheocasting bereits zur Serienreife gebracht. Welche technologischen Herausforderungen bestehen derzeit noch?
Karin Exner-Wöhrer: Beim Skalieren stellen sich immer auch neue Herausforderungen, dadurch erforschen wir neue Zusammenhänge und können den Prozess laufend noch besser verstehen und optimieren. Wir arbeiten an Feinheiten und Verbesserungen wie zum Beispiel beim Schussgewicht und wir erweitern unser Spektrum bei den Legierungen.
Sie planen, mit Rheocasting neue Anwendungen in der Fahrzeugindustrie und darüber hinaus zu erschließen. Welche Bereiche haben Sie hier im Fokus?
Karin Exner-Wöhrer: Wir denken hier sehr breit. So sind zum Beispiel Fahrwerkskomponenten für viele Arten von Fahrzeugen – vom Elektroauto über Motorräder bis hin zu Flugzeugen – im Fokus. Auch CO2-Kühlsysteme sind ein Thema. Diese haben hohe Anforderungen an Dichtigkeit und Druckbeständigkeit. Hier kann Rheocasting eine gute Lösung zur Herstellung der Bauteile sein.
Das neue Entwicklungszentrum soll als Plattform für Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und Industriepartnern dienen. Wie kann man sich das vorstellen?
Karin Exner-Wöhrer: Wir pflegen bereits eine vertiefte Forschungspartnerschaft mit der Montanuni Leoben und sind dabei, auch Partnerschaften mit anderen Institutionen aufzubauen. Der Know-how-Transfer ist wichtig und gewinnbringend, was die Tiefe der Forschungsergebnisse betrifft.