Internationale Fachmesse für Druckguss: Technik, Prozesse, Produkte

18. - 20. Januar 2022 // Nürnberg, Germany

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Deutschland braucht mehr Techniker

Eine Druckgießmaschine des Maschinenbauers Oskar Frech vor der Generalüberholung.
Eine Druckgießmaschine des Maschinenbauers Oskar Frech vor der Generalüberholung. // © Oskar Frech

Der Maschinenbauer Oskar Frech rechnet in den nächsten drei bis fünf Jahren mit einer Umsatzsteigerung von 50 bis 80 Prozent im Bereich des Retrofits. Doch in Deutschland fehlt es an technisch affinem Nachwuchs, der handwerklich arbeiten will. Corinna Robertz im Gespräch mit Norman Klare, Leiter Vertrieb Dienstleistungen bei Oskar Frech, und Darko Tesic, Geschäftsführer der TCT TESIC GmbH.

Herr Klare, Oskar Frech bietet Retrofits durchgehend in allen Produktprogrammen an. Was ist hier in den letzten Jahren passiert?

Norman Klare: Maschinenüberholung und Retrofit hat es natürlich schon immer gegeben. Aber beides wurde als „schmutzige Arbeit” abgestempelt und war immer unwichtiger als neue Maschinen. Wenn es zu Kapazitätsengpässen kam, wurde der Retrofit grundsätzlich weniger beachtet. Das ist etwas, was sich in den letzten Jahren stark geändert hat. 

Warum?

Klare: Alten Maschinen kann mit 50 bis 60 Prozent des Invests in eine Neumaschine ein neues Leben gegeben werden. Der Retrofit hat deshalb besonders in Europa an Bedeutung gewonnen. Außerdem ist der Platz in den Firmenhallen begrenzt. Eine neue Maschine könnte größere Umbauten an bestehenden Hallen bedeuten. Die Möglichkeiten des Retrofits setzen sich deswegen zunehmend in den Köpfen unserer Kunden durch.

Herr Tesic, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Darko Tesic: Ähnliches haben wir besonders während der Corona-Pandemie beobachtet. Es wurde viel weniger investiert, dafür mehr gewartet. In Deutschland will man nachhaltig produzieren. Hier geht die Politik ebenfalls in die Richtung und schafft den Rahmen. Auf dem europäischen Kontinent wird auch deswegen viel ausgetauscht, weil es einen engen Produktions- und Informationstransfer gibt. Aber auch China fängt damit an. Im Grunde ist es eine Frage der Zeit. In einigen Ländern geht es schneller, in anderen langsamer. Die Balkanländer oder Indien sind ein Beispiel für letzteres.

Klare: Natürlich hat Europa einen besonderen Stellenwert. Wenn man schaut, wo heute unsere Maschinen stehen, dann kann man oftmals nicht einfach eine zweite Halle nebenan bauen. Auch für Automobilbauer sind die Platzverhältnisse in den Hallen teilweise beengt. Das ist der größte Unterschied zu Asien. Und dann ist meiner Erfahrung nach auch die Denkstruktur der Kunden eine andere. Nicht jeder Kunde möchte eine hohe Investition in eine neue Maschine tätigen. 

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Welche konkreten Vorteile haben gebrauchte und überholte Maschinen? 

Tesic: Wer eine gebrauchte Anlage überholt, kann sie an individuelle Bedürfnisse anpassen. Und oft fehlt es eben auch an der Bereitschaft, eine hohe Summe für eine neue Maschine auszugeben. Eine gebrauchte Maschine kann ich testen. Komme ich gut damit klar, wird die nächste Maschine eine neue. Die Investition, die ich getätigt habe, hat sich bis dahin aber wieder ausgeglichen. 

Klare: Auch eine Überholung ist skalierbar. Und da ist es wichtig, innerhalb des Unternehmens so aufgestellt zu sein, dass sich der Bereich neue Maschinen und Aftersales nicht als Konkurrenz ansehen, sondern vor dem Kunden gemeinsam auftreten. Hier ist eine durchgängig fachliche Beratung wichtig, um für den Kunden das passende Produkt für seinen konkreten Anwendungsfall zu finden. Ist es heute das Retrofit, das gebraucht wird, ist es morgen die neue Maschine.

Wie stellen Sie sich intern auf, um die Überholung wirtschaftlich zu machen?

Klare: Um eine Überholung zu verkaufen, muss man sehr tiefgehende technische Kenntnisse haben. Es ist eben nichts von der Stange. Außerdem erwarten unsere Kunden bei einem Retrofit die gleiche Qualität und Lieferpünktlichkeit wie bei einer neuen Maschine. Wir haben bei Oskar Frech die Organisationsform für neue Maschinen und wir haben parallel dazu die Organisationsform für den Aftersales-Bereich mit den gleichen Positionen. Diese Parallelstrukturen mit Konstrukteuren und Projektmanagern im Aftersales wurden erst in den letzten fünf bis acht Jahren aufgebaut. Wir brauchen dafür sehr erfahrene Leute. Ich habe sehr viele offene Stellen und würde Personal einstellen, wenn ich welches finden würde. 

Tesic: Die technischen Mitarbeiter die wir haben, gehen in Rente. Wir brauchen technisch affinen Nachwuchs. Junge Leute, die Lust auf das Handwerk haben, sind schwer zu finden. Dem Nachwuchs wird es nicht schmackhaft gemacht, einen technischen Beruf auszuüben. Er scheint (fälschlicherweise) nicht motivierend und nicht interessant genug. Als ich jung war, war der Handwerker ein angesehener Beruf. Heute werden sie zu wenig wertgeschätzt. Deutschland hat da ein großes Defizit. Wir brauchen mehr Techniker! 

Klare: Ein Retrofit durchzuführen, ist eine sehr komplexe Tätigkeit. Es gibt kaum Vorgänge, die sich wiederholen, stattdessen warten ständig neue Themen und Herausforderungen. Wer neue Maschinen zusammengebaut, ist erst einmal überrascht, eine alte Maschine zu öffnen. Die sind ja richtig dreckig und oftmals stellt man nach der Demontage weitere Schäden fest, mit denen man im Vorfeld nicht gerechnet hat. Damit muss man sich auch auseinandersetzen WOLLEN, und dazu ist nicht jeder bereit. Man braucht natürlich auch Softwarespezialisten. Aber man kann eben nicht alles vom Computer auslösen. Es gibt beim Retrofit noch zahlreiche handwerkliche Aspekte. 

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Die Druckgießmaschine DAW 50 des Maschinenbauers Oskar Frech nach der Generalüberholung. (Bild: Oskar Frech)

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